Oban Old Teddy - The Macleans - #TN10


Nun ist mein Blog "schon" zehn Wochen online und somit gibt es heute auch die zehnten Tasting Notes von mir. Zeit zum Zurückblicken ist somit für mich natürlich noch lange nicht. Dennoch habe ich mir diese Tasting Notes zum Anlass genommen, wieder einmal in das Regal mit den Whiskys für besondere Anlässe zu greifen. Und dieser beschäftigt sich tatsächlich mit dem Zurückblicken, aber dazu gleich noch mehr. Gestolpert bin ich über diesen Malt vor fast genau einem Jahr, als ich mit zwei Kumpels zusammen die Oban Destillerie auf einer Rundreise durch Schottland besucht habe. Wir hatten unsere Tour bereits im Vorfeld gebucht und waren etwas spät dran. Mit der Angst im Nacken die Tour zu verpassen sind wir ziemlich schnell in die Brennerei gehetzt und wurden dort mit der typischen schottischen Gelassenheit empfangen. Nach der kurzen Anmeldung an der Rezeption ging es auch direkt zum Startpunkt der Führung. Nach einem kurzen Seitenhieb bezüglich unserer Pünktlich seiten des Guides, der übrigens nahe zu perfekt deutsch sprach, ging es auch direkt los. Die Führung an sich war ziemlich Standard, die Brennerei von innen jedoch durchaus sehenswert. Beim zweiten Dram, der bei der Tour inkludiert war, erwähnte unserer Guide dann den gerade frisch veröffentlichten "Old Teddy". Da konnten wir nicht anders: Direkt nach der Führung haben wir noch ein Stop in der gemütlichen Bar der Brennerei gemacht, und was soll ich sagen... Dass nun eine Flasche des Whiskys bei mit Zuhause steht spricht für sich.


Über den Whisky:

Diesem Malt wurde der Name "Old Teddy" verliehen. Der Grund dieser Abfüllung ist ist das Jubiläum der Familie Macleans, die nun bereits in der dritten Generation - seit insgesamt 66 Jahren - für die Brennerei arbeitet. Angefangen hatte es im Jahr 1953 mit "Old Teddy", nachdem die Abfüllung am Ende auch benannt wurde. Dieser arbeitete sich in der Brennerei hoch, bis er zum Master Distiller ernannt wurde. Zur Feier dieser Geschichte wählte man Ex-Bodega Sherry Fässer und re-fill Oak Fässer aus. Diese vermählte man miteinander und füllte sie mit einem Alkoholgehalt von 51,7% in die Flasche, dies entspricht der natürlichen Fassstärke. Insgesamt ergab sich ein Output von 3960 Flaschen, welche ausschließlich in dem Shop der Destillerie erworben werden können. Auf den Farbstoff und die Kühlfiltrierung wurde vermutlich (keine offiziellen Angaben) verzichtet. Der Preis ist mit £150 (rund 170€) für einen NAS Whisky eine richtige Ansage. Mal schauen ob er mir auch im neutralem Umfeld so gut schmeckt wie in der 1794 Bar und ob er sein Geld wert ist.


In der Nase:


Obwohl ich in meiner kleinen Bar im Keller sitze, muss ich sofort an einen Ausflug ins Grüne denken: Ein warmer Sommertag, eine Radtour durch Wiesen mit langem, wilden Gras. Die erste Assoziation in der Nase ist ganz klar grün. Hohes Gras, frisch gemäht, eventuell auch etwas junges Blattgrün. Außerdem kommt eine leichte, fruchtige Note zum Vorschein: Ein grüner, frischer und saftiger Apfel. Ebenfalls macht sich etwas Zitrone bemerkbar. Im Hintergrund kommt anschließend etwas Süße zum Vorschein: ein wenig Karamell. Ich muss an zuckriges, brüchiges Toffee denken. Dazu gesellt sich ein Hauch von Eiche.

Ein Tropfen Wasser im Glas lässt dann die Wildblumen und Kräuter auf der Wiese blühen. Der Geruch wird deutlich floraler als zuvor, nun geht es in Richtung Heide.


Im Mund:

Dieser Malt ist im Mund deutlich voller und robuster als noch in der Nase. Körniges, geröstetes Getreide steht im Vordergrund. Dazu kommt eine recht ausgeprägte, fruchtige Süße. Es geht in Richtung naturtrüber Apfelsaft und einem Hauch von überreifer Honigmelone. Mit der Zeit verblasst die Fruchtigkeit ein wenig, die Süße bleibt jedoch präsent: Milchschokolade, frisch gebackene Kekse, insgesamt herrlich ausgewogen. Im Hintergrund macht sich dann etwas Würze bemerkbar: der Einfluss von Eiche und ein wenig Pfeffer ist klar spürbar.

Der Tropfen Wasser im Glas lässt das Bild zurück, was der Malt pur in Nase gezeigt hat. Der Gaumen wird wieder von grünen Aromen belegt. Dazu kommt der süße Toffee. Der Abgang bringt noch mehr Pfeffer mit sich, das gefiel mir ohne Wasser deutlich besser.


Abgang:


Bei diesem Whisky ist der Abgang mittellang bis lang. Der Gaumen wird zunehmend trockener. Es bleibt die Kraft der Eiche, die in einer angenehmen Süße endet. Trotz der dominanten Eiche ist der Abgang nicht bitter. Toll! Hier macht sich der Einfluss des Sherryfass deutlich bemerkbar.


Abschließende Worte:


Dieser Whisky vereint Gegensätze. Die Frische durch die floralen und gräsernen Aromen lassen eher auf einen jüngeren Malt schließen. Der starke Antritt im Mund, die recht niedrige Fassstärke von 51,7% (der Alkohol ist übrigens perfekt eingebunden) und die kräftige Eiche im Abgang sprechen jedoch eher für einen älteren Malt. Auch bleibt die metallische Schärfe, die man bei jungen Bränden oftmals feststellen kann, gänzlich aus.

Eventuell wurden hier Fässer aus allen drei Generationen der Macleans miteinander vermählt um diesen Whisky zu kreieren? Raum für Spekulationen lässt dieser Malt alle Male, eine offizielle Lösung werden wir beidem NAS Whisky wohl nicht erhalten. Insgesamt muss man jedoch festhalten, dass die Gegensätze nicht störend sind, sondern eher für einen sehr interessanten, leckeren und außergewöhnlichen Whisky sorgen. Ob man dafür £150 zahlen möchte? Dass ist wie immer eine Frage, die wohl jeder für sich selbst beantworten muss.




Tim´s persönliches Fazit:


Eine interessante Geschichte, eine transparente Limitierung, ein Malt in Fassstärke, ein ungefärbter Whisky, eine Brennerei von der es kaum Abfüllungen auf dem Markt gibt. Alles Punkte, die den aufgerufenen Preis rechtfertigen. Auf der anderen Seite lässt sich argumentieren: ein NAS Whisky für über 170€? Niemals! Ich persönlich muss sagen, dass bei mir am Ende der Flascheninhalt siegt und nicht das, was auf der Flasche drauf steht. Und der Inhalt ist für mich absolut besonders. Dieser Dram war einzigartig und individuell, mir fällt auf Anhieb keine andere Abfüllung ein, mit der ich diesen Tropfen vergleichen könnte. Und da mir dieser Malt damit wieder eine total neue Facette der Whiskywelt gezeigt hat, war und ist er mir das Geld durchaus wert. Ob das Erlebnis vor Ort da eventuell noch im Unterbewusstsein mitspielt? Ausschließen kann ich das natürlich nicht...

Kategorie: Single Malt

Region: Highlands

Brennerei: Oban

Alter: NAS

Alkoholgehalt: 51,7%

Fasstärke: ja

Gefärbt: keine offizielle Angabe (vermutlich aber NEIN)

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Ex-Bodega Sherry und refill Eichenfässer

Preis: ~170,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 135746

Sonstiges: limitiert auf 3960 Flaschen - Distillery Exclusive


© 2020 by WhiskyVibes.