Miltonduff 2009 1st fill Oloroso Finish Best Dram - #TN3


Diesen Whisky kann ich für mich getrost in die Rubrik "Spontankauf" einordnen. Eigentlich hatte ich alle Malts bereits zusammen auf die ich neugierig war, doch dann stand plötzlich diese Flasche vor mir. Ich muss gestehen, den unabhängigen Abfüller "Best Dram" hatte ich lange Zeit nicht so richtig auf dem Schirm. Den ersten Kontakt mit einer Abfüllung von Best Dram hatte ich erst vor wenigen Monaten auf der Whiskymesse in Hattingen (es war ein Fettercairn mit PX Vollreifung). Diese konnte mich so sehr überzeugen, dass seit dem viele weitere Samples verschiedenster Flaschen folgten. Da eigentlich alle durchweg schmackhaft waren, dachte ich mit diesem Miltonduff nicht viel verkehrt machen zu können. Zumal ein Speysider aus dem Sherryfass in mir fast immer in irgendeiner Form Begeisterung auslösen kann. Schauen wir, ob es auch dieser hier schafft.


Über den Whisky:

Diese Flasche stammt wie die meisten Miltonduff Whiskys von einem unabhängigen Abfüller. Originalabfüllungen der Brennerei gab/gibt es hin und wieder auch, da große Teile der Produktion aber in Blends landen, sind diese eher spärlich gesät. Abgefüllt wurde der Malt genau so, wie er nach 11 Jahren aus dem Fass kam, ohne Färbung und Filtration. Zur Nachreifung kam ein frisches Oloroso Sherryfass zum Einsatz, vorher lagerte der Malt vermutlich in ehemaliegen Bourbonfässern. Wie lange sich für das Finish Zeit gelassen wurde ist leider nicht bekannt. Am Ende ergab das Hogshead 286 Flaschen. Das hier auf das Filtern verzichtet wurde kann an der Flasche ganz gut erkannt werden. Hält man diese leicht gegen das Licht, sieht man das der Whisky nicht ganz klar ist. Man kann eine ganz leichte Trübung wahrnehmen.


In der Nase:


Hält man die Nase an das Glas, wird diese direkt von einer fulminanten Süße erobert. Außerdem machen sich dunkle, vollreife Früchte in der Nase breit. Mit der Zeit nimmt die dominante Süße etwas ab und es kommen weitere Aromen zum Vorschein. Ein wenig Vanille lässt sich erkennen und meine Assoziation geht in Richtung süße Backwaren. Außerdem kommt in mir eine ganz persönliche Erinnerung hervor. Ich fühle mich in die Vorhalle des örtlichen Supermarktes in der Karnevalszeit versetzt. Dort werden zu dieser Jahreszeit immer frische Berliner (oder Krapfen) gebacken/frittiert. Diesen Geruch kann ich in gewisser Weise auch hier in meinem Glas finden.


Im Mund:

Der Mund wird anfangs von der gleichen dominanten Süße erobert wie die Nase auch. Allerdings ist der Antritt dabei recht kräftig, die vielen Prozente schlagen ganz gut zu. Auch hier lassen sich wieder Ansätze von Vanille finden. Im Hintergrund kommt etwas Frucht durch. Welche genau finde ich schwer zu definieren, irgendetwas dunkles, geht in Richtung überreifer Pflaumen, oder besser: Pflaumenmus. Auch die süßen Backwaren kann ich am Gaumen finden. Allerdings bin ich nicht mehr bei meinem Berlinern (oder Krapfen). Eher geht es für mich in Richtung Keks- oder Plätzchenteig.

Mit zwei oder drei Tropfen Wasser ändert sich nicht all zu viel. Die vorher recht dominante Süße nimmt etwas ab und die Frucht- und Vanillenote werden präsenter.


Abgang:


Der Abgang dieses Malts ist mittellang bis lang und wärmt dabei ordentlich. Es bleibt die Süße von dunklen Früchten die in eine leichte, langsam verblassende Fruchtigkeit übergeht.


Abschließende Worte:


Dieser Whisky ist doch ziemlich anders als ich ihn erwartet habe, aber auf keinen Fall schlechter. Da es sich "nur" um ein Sherryfass Finish handelt habe ich deutlich weniger Süße und dunkle Früchte erwartet, aber diese waren mehr als intensiv vorhanden und toll eingebunden. Diese leicht fruchtige Süße trifft genau meinen Nerv und ich wage zu behaupten, dass jeder der Whisky mit deutlichem Sherryeinfluss mag Gefallen finden wird an diesem Malt. Und auch an dieser Stelle muss ich einfach wieder feststellen: Die Jungs von Best Dram haben es echt drauf! Allerdings kommt auch an dieser Stelle noch ein kleinen "ABER". Für einen 11-jährigen Whisky einer ziemlich großen Brennerei der im 1st Fill Olorosofass "nur" zum Finish verweilen durfte sind knapp 80€ doch schon recht viel. Nicht dass dieser Whisky es in meinen Augen nicht wert wäre, aber mehr darf es auch nicht werden...


Tim´s persönliches Fazit:


Dieser Whisky tut weh! Nicht meiner Nase und nicht meinen Geschmacksnerven, aber meiner Geldbörse! Gerne hätte ich mal wieder eine Brennerei und/oder einen Abfüller von meiner Liste gestrichen, nach diesem tollen Dram ist dies aber einfach keine Lösung. Sowohl weitere Abfüllungen von Best Dram als auch andere Tropfen von Miltonduff werden wohl früher oder später den Weg in mein Glas finden!


Kategorie: Single Malt (Single Cask)

Region: Speyside

Brennerei: Miltonduff

Alter: 11 Jahre

Alkoholgehalt: 57,1%

Fasstärke: ja

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: 1st fill Oloroso Hogshead Finish

Preis: ~78,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 159132

Sonstiges: Fassnr. #900031B


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