Ledaig (Tobermory) 18 Jahre Spanish Sherry Wood Batch 03 - #TN4

Heute nehme ich mir einen Whisky der Brennerei Tobermory vor. Diese ist die einzige Brennerei auf der schottischen Insel Mull und gilt als eine der ältesten noch aktiven Brennereien. Ebenso lang wie die Gesichte der Brennerei selbst dürfte jedoch auch die Liste der bisherigen Besitzer der Destillerie sein. Hier haben sich schon einige bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten und Konzerne die Klinke in die Hand geben. Nichtsdestotrotz wusste Tomerbory in den letzten Jahren durchaus einige Maltfans für sich zu gewinnen. Das viele bisher jedoch nur über den Namen der Destillerie gestolpert sind und noch keinen Whisky von der Insel Mull im Glas hatten, könnte hingegen an den durchaus horrenden Preisen liegen, welche für die Originalabfüllungen der Brennerei aufgerufen werden. Ich hingegen muss gestehen, dass es sich bei mir doch mehr oder weniger um einen Blindkauf handelte, was genau den Ausschlag gab und es mir unmöglich machte diese Flasche im Regal stehen zu lassen? Ich weiß es gerade selbst nicht mehr... Die Whiskys von der Insel Mull werden unter zwei verschiedenen Namen abgefüllt, einmal die nicht oder kaum getorften Malts unter dem Namen "Tobermory". Die Whiskys bei denen stärker getorftes Malz zum Einsatz kommt werden hingegen unter dem Namen "Ledaig" vermarktet. Somit wissen wir auf jeden Fall, dass uns in dieser Flasche eine gewisse Rauchigkeit erwarten wird. Ob sie mich in Verbindung mit dem Sherryfinish überzeugen kann und mir nachträglich die Begründung für meinen unüberlegten Kauf gibt? Wir werden es sehen!


Über den Whisky:

Dieser Malt wurde nach 18 Jahren im Fass mit einem Alkoholgehalt von 46,3% in die Flasche gefüllt. Außerdem zog er während seiner Reifung einmal um: Nachdem der Malt die längste Zeit im ehemaligen Bourbonfass verbracht hat, erhielt er noch ein Finish in spanischen Sherryfässern. Kühlgefiltert wurde dieser Tropfen nicht, wie übrigens keiner der Malts, die die Brennerei mit einem Alkoholgehalt von 46,3% verlässt. Angekündigt wird bei dieser Flasche zusätzlich, dass es sich um ein limitiertes Batch handelt, in diesem Ball das Batch Nummer 03. Wenn man sich allerdings anschaut wie lange es diesen Whisky bereits auf dem Markt gibt und wie viele Personen ihn alleine laut Whiskybase schon probiert haben oder gar besitzen, dürfte jedem klar sein: So streng kann diese Limitierung hier nicht gewesen sein! Aber das muss ja nicht unbedingt etwas negatives heißen, denn wenn einem dieser Dram mundet hat man immerhin noch die Chance sich eine weitere Flasche zu sichern.


In der Nase:


Kaum habe ich die Flasche geöffnet und lasse diesen rotgold schimmernden Tropfen in das Glas fließen, werde ich auch schon von einem kräftigen, reifen Torfrauch erfasst. Hätte man mir diesen Whisky in einem Bildtasting vor die Nase gestellt, wäre an dieser Stelle kein Weg mehr an dem Gedanken "Islay" vorbeigegangen. Da mir mein kurzer, zweifelnder Blick auf die Flasche aber nochmal versichert, dass dieser Whisky von der Insel Mull stammt, schaffe ich es "Islay" hinter mir zu lassen. Hat sich die Nase erst einmal durch den Rauch gekämpft (oder wie andere sagen würden an ihn gewöhnt) kommt eine herrliche, maritime Note zum Vorschein. Schließt man die Augen könnte man glatt denken selbst an der Küste einer der besagten schottischen Insel zu stehen, wo einem die Gischt ins Gesicht weht. Ebenso zeigen sich leichte Note die an einen Grillabend erinnern, und auch eine gewisse Würze lässt sich blicken. Insgesamt muss ich festhalten, dass ich bisher selten einen rauchigen Malt im Glas hatte, welcher sich aus so vielen verschiedenen Nuancen zusammensetzte.


Im Mund:

Vollmundig, kräftig, würzig. Dies sind die ersten drei Worte die mir nach dem ersten Schluck einfallen. Und schaue ich auf meine eigenen Notizen muss ich überraschend feststellen: Wo ist der Rauch hin? Nicht dass ich falsch verstanden werde, der Rauch ist durchaus präsent, dominiert den Mund aber längst nicht so stark wie die Nase. Er ist schön eingebunden in die Sherrynoten und beide ergänzen sich gegenseitig hervorragend. Mit dem zweiten Schluck lassen sich noch ein par mehr Nuancen herausschmecken. Jetzt zeigen sich auch noch Kräuter und eine leicht scharfe Lakritznote belegt den Gaumen. Ich weiß gar nicht wie ich es genauer beschreiben soll, aber dieser hat mich vollends überzeugt. Der zweite Schluck dieses leckeren Malts wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mein letzter gewesen sein.


Abgang:


Überdurchschnittlich lang. Ich denke so darf man den Abgang dieses Whiskys durchaus beschreiben. Es bleibt eine leichte Note von Lakritz. Die Würze ist ein wenig gewichen und hat den Weg für dunkle, getrocknete Beeren und andere Früchte freigemacht.


Abschließende Worte:


Bei diesem Whisky gibt es nichts zu meckern, zumindest nicht aus meiner Sicht. Und schon mal gar nicht an der Qualität oder an dem Handwerk dahinter. Der Whisky ist rund und facettenreich, hält was er in erster Linie verspricht (Sherry, Rauch, Reife) und auch bei der Aufmachung hat man sich nicht lumpen lassen. Die Flasche in der schönen, dekorativen Holzbox wirkt genauso wertig wie der Inhalt. Sicherlich trifft auch dieser Malt nicht jedermanns Geschmack, dann liegt dies aber nicht an "Fehlern" bei der Herstellung, sondern schlichtweg an Vorlieben, die mit diesem Malt nicht übereinstimmen. Bei all meiner Euphorie soll abschließend aber nicht verschweigen werden, dass man fast immer eine dreistellige Summe hinlegen muss, um eine Flasche sein Eigenen nennen zu können.



Tim´s persönliches Fazit:


Als ich angefangen habe die Einleitung zu diesen Notes zu schreiben habe ich selbst gefragt, warum ich diesen Whisky gekauft habe. Weder habe ich persönlich irgendetwas mit Tobermory oder Ledaig verbunden, noch bin ich ein großer Fan von rauchigen Whiskys. Allerdings bin ich ein Fan von Malts mit Sherryeinfluss, und eventuell ist genau dies der Grund warum ich mir meine Frage sehr wohl beantworten kann: Weil es sich hier um eine absolut tolle Abfüllung handelt! Die Sherrynoten und der Rauch bilden einen wundervollen Einklang, dieser Whisky ist alles außer eindimensional. Etwas bedenkliches muss ich abschließend allerdings doch noch erwähnen: Ich glaube mein Konto wird trauern, wenn ich mal wieder über einen vergleichbaren Tropfen stolpere...


Zusatz:


Manchmal spielt einem der Zufall in die Karten! Ich hatte diese Tasting Notes kaum fertig, da erreichte mich ein kleines, spannendes Sample: Ebenfalls ein Tobermory, auch aus dem Sherryfass, jedoch als Vollreifung. Der Charakter war jedoch ein ganz anderer. Eventuell ja ganz spannend, den direkten Vergleich zu lesen: Ledaig 2007/2020 12 Jahre - The War of the Peat.

Kategorie: Single Malt

Region: Islands

Brennerei: Tobermory

Alter: 18 Jahre

Alkoholgehalt: 46,3%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Spanish Sherry Wood Finish

Preis: ~100,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 93480

Sonstiges: Batch No. 03


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