Kilchoman Am Bùrach - #TN5

Mit meinen fünften Tasting Notes, welche ich hier auf meinem Blog mit euch teilen möchte, dringe ich nun auch endlich in die fünfte, bisher noch fehlende Whiskyregion innerhalb Schottlands vor: Islay. Viele werden die von hier stammenden Whiskys wohl zu ihren Lieblingen zählen. Welchen Stellenwert sie bei meinem persönlichen Vorlieben einnehmen ist wohl selbsterklärend, wenn jede andere Whiskyregion bisher den Vorzug vor Islay erhalten hat. Und dann geht es auch noch ausgerechnet zu Kilchoman. Diese Brennerei hat in den letzten Monaten in meinen Augen einen kleinen Hype erlebt, welcher sich mir nicht wirklich erklärt. Sowohl die Abfüllung zum "FÈIS ÌLE 2020" als auch die Single Casks, die den deutschen Markt erreicht haben, waren innerhalb von wenigen Stunden vergriffen und gingen zu horrenden Preisen über die Ladentheke. Auch um diese Abfüllung zeichnete sich im Vorfeld ein gewisser "Hype" ab, welchem auch ich mich ausnahmsweise nicht entziehen konnte. Die Entstehungsgeschichte (dazu gleich noch etwas mehr) von diesem Whisky hat mich einfach gepackt und ich hatte die Möglichkeit diesen Whisky - auch außerhalb der in meinen Augen unnötigen Vermarktungsmaschinerie (fast nur erhältlich im Paket mit dem Machir Bay) - zu einem fairen Preis erwerben zu können. Ich bin gespannt, ob es sich gelohnt hat und ob es somit eventuell auch Islay etwas mehr in meinem Fokus schafft.


Über den Whisky:

Dieser Whisky ist im Gegensatz zu den meisten anderen Abfüllungen nicht aus der Idee eines Distillery Master hervorgegangen. Hier handelt es sich schlichtweg um einen Unfall, wenn man der Geschichte hinter dem Whisky glauben mag. Im Jahr 2014 hat ein Stillman beim Umfüllen von Fässern einen Machir Bay aus Versehen mit einem im Portfass gereiften Kilchoman vermengt. Diese Mischung durfte anschließend nochmals für 6 Jahre in einem ehemaligen Bourbonfass reifen. Zum Abschluss ging es für das endgültige Finish zurück in ein Portfass, ehe der Whisky unter dem Namen "Am Bùrach" auf den Markt gekommen ist. Übersetzt heißt es soviel wie "Durcheinander". Insgesamt wurden 10550 Flaschen mit diesem Tropfen befüllt, der seine natürlich Farbe behalten durfte und um eine Kühlfilterung herumgekommen ist. Mit 46% Alkoholgehalt weißt er eine angenehme Trinkstärke auf. Rechnet man die einzelnen Lagerungen zusammen, so dürfte dieser Malt 9 bis 10 Jahre auf dem Buckel haben.


In der Nase:


Gleich mit der ersten Nase nimmt man deutlich den Einfluss des Portweins wahr. Süß, cremig, in Verbindung mit einer dunklen Feuchtigkeit. Die Süße lässt sich in Richtung Marzipan einordnen. Außerdem kommt eine gewisse Frische zum Vorschein, sie erinnert mich ein bisschen an eine bunte, blühende Blumenwiese. Und auch wenn das Foto der Flasche vor meiner Verkostung entstanden ist, so spiegelt es doch ziemlich gut den ersten Eindruck in der Nase wieder. Der erwartete Rauch hält sich dabei recht zart im Hintergrund. Wenn man dazu noch bedenkt, dass dieser Malt von Islay stammt, kann man getrost von wenig Rauch bzw. Torf sprechen. Der Alkohol wirkt insgesamt gut eingebunden, man nimmt ihn wahr, aber er sticht oder beißt in keinster Weise.


Im Mund:

Hier findet man die Farbe des Whiskys und der Aufmachung im Mund wieder. Viele dunkle, rote, reife Früchte machen sie am Gaumen breit. Zudem ist jetzt die Rauchigkeit (für mich tendiert diese zu Asche) deutlich präsenter. Nichtsdestotrotz bleibt der Whisky weich und mild. Die große, überfordernde Komplexität setzt nicht ein. Die floralen Noten, die in der Nase noch omnipräsent waren sind im Mund kaum bis gar nicht mehr wahrnehmbar. Beim zweiten Schluck setzten sich etwas mehr die dunklen, Intensiveren Nuancen durch. Dunkle, herbe Schokolade und frisch gemahlene Kaffeebohnen gesellen sich zu der fruchtigen Süße und dem kräftigen Rauch. Trotz der 46% hätte dieser Whisky in meinen Augen durchaus etwas mehr vertragen können, um das ein oder andere Aroma noch besser zu transportieren.


Abgang:


Spätestens jetzt hat uns der Rauch wieder fest im Griff. Dieser dominiert den Abgang den ich als mittellang einstufen würde. Aber auch die süße Fruchtigkeit bleibt am Gaumen erhalten. Ich würde es als eingemachte, rote Früchte bezeichnen, so wie man sie zu Vanilleeis kennt, oder kurz gesagt: warme rote Grütze.


Abschließende Worte:


Insgesamt ist dieser Malt leicht, gefällig und einfach zu trinken. Anhand der vielen verschiedenen Fasstypen verspricht der Whisky etwas mehr Komplexität als er bieten kann. Wo sich die Nase noch über viele, spannende Assoziationen freut, kann das Aroma nicht mithalten. Wer auch zu wärmeren Zeiten gerne einen rauchigen Malt trinkt, mag hier einen passenden Tropfen gefunden haben. Die Rauchigkeit ist nicht allzu schwer oder erdrückend und macht ihn somit zu einem guten Sommerwhisky für Rauchfans. Um dem Malt genügend Kraft zu verleihen, damit er auch im Mund noch etwas spannender wirkt, hätte ich ihn gerne einmal in Fassstärke probiert. Davon hätte er in meinen Augen nur profitieren können.



Tim´s persönliches Fazit:


Eines vorweg: Dieser Whisky ist nicht schlecht! Jedoch möchte ich mein eigentliches Fazit heute mit einem ganz berühmten Wort beginnen: ABER! Hier ist in meinen Augen der Hype und die Geschichte mal wieder größer als der Inhalt selbst. Die Auswahl der Fässer verspricht viele spannende Aspekte und eine gewisse Komplexität, die der Whisky nicht halten kann. Mit spitzer Zunge würde ich nach dem Verkosten folgendes zur Fassauswahl sagen: Die ersten Fässer und Reifezeiten haben dem Malt so wenig gegeben, dass ein erneutes Portfinish nötig war, um überhaupt irgendetwas aus diesem Tropfen zu machen! Die erste Nase und der recht intensive, rötliche Schimmer im Glas unterstreichen dies für mich. Das Portfass, welches den Malt die letzten 6 Monate beherbergte, schien recht frisch gewesen zu sein und somit den Charakter des Whiskys wesentlich geprägt zu haben. Außerdem darf ein Whisky der vermutlich nicht einmal ganz 10 Jahre auf dem Buckel hat in diesem Preissegment gut und gerne in Fassstärke in die Flasche kommen. Obwohl mir der Dram durchaus geschmeckt hat, muss ich sagen, dass diese Abfüllung im Preis-Leistungsverhältnis doch eher zu wünschen übrig lässt. Hier würde ich jedem eine der Standardabfüllungen von Kilchoman ans Herz legen, diese sind meist deutlich erschwinglicher und können genau so viel (oder auch mehr!). Und abschließend geht mir eine Frage nicht aus dem Kopf: Wenn man versehentlich Bourbon- und Sherryfässer miteinander vermählt, merkt man dies echt erst nach deutlich mehr als zehn Fässern?! Denn so viele müssen es gewesen sein um 10550 Flaschen auf den Markt bringen zu können....

Kategorie: Single Malt

Region: Islay

Brennerei: Kilchoman

Alter: NAS (vermutlich um die 9 bis 10 Jahre)

Alkoholgehalt: 46,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Ruby Port Finish

Preis: ~130,00€ (im Set mit dem 0,7l Machir Bay)

Flaschengröße: 700 ml

WID: 158864

Sonstiges: limitiert auf 10550 Flaschen


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