Highland Park 14 - Loyalty of the Wolf - #TN11

Heute habe ich mich für meinen Blog auf die Orkney Inseln verirrt. Und verirrt trifft es in diesem Fall recht gut, denn eigentlich findet recht selten ein Highland Park den Weg in mein Glas. Gleiches gilt auch für Malts von Scapa, und außer diesen beiden Brennereien gibt es bekanntlich keine weiteren auf den Orkney Inseln. Jedoch auch heute habe ich mir den kurzem Inselbesuch in meinem Glas nicht selbst ausgesucht, diese Flasche hat mich vor einiger Zeit als Geschenk zu meinem Geburtstag erreicht. Zugegebenermaßen verliere ich ansonsten bei der Fülle an verschiedenen Abfüllungen von Highland Park schnell den Überblick, diese Flasche gehört aber zu den Travel Retail Abfüllungen, zu denen unter anderem auch noch Flaschen gehören, die dem Adler und dem Bären gewidmet sind. Insgesamt sind die beiden Standards von Highland Park, die mit zwölf und achtzehn Jahren daherkommen, ja durchweg suverän, der ältere der beiden bewegt sich jedoch auch in einem Preisbereich, in dem man den ein anderen Spitzenmalt erwerben kann. Jetzt wollen wir aber mal schauen, ob dieser Malt überzeugen kann.


Über den Whisky:

Diese vor mir stehende Flasche beinhaltet nur 350 ml, sie gibt es jedoch auch in der 1L Version. Der Inhalt setzt sich aus Malts zusammen, die in Bourbonfässern und Sherry Seasoned Cask für mindestens 14 Jahren reifen dürften. Schön finde ich die Tatsache, dass hier so transparent auf die Verwendung von Seasoned Casks hingewiesen wird. Diese werden an vielen Stellen zum Einsatz kommen, offen erwähnt wird es jedoch nur manchmal. Abgefüllt wurde der Whisky mit 42,3%, somit hat man ihn folglich auch kühlgefiltert. Auf das Färben hingegen hat man, wie bei Highland Park eigentlich üblich, verzichtet. Ursprünglich zwar nur für den Travel Retail vorgesehen, kann man die Flaschen nun jedoch auch in anderen Shops finden. Den Namen der Abfüllung "Loyalty of the Wolf" hat die Brennerei wie eigentlich üblich durch ihr Wikingermarketing zu Tage gefördert. So sollen die Abfüllungen dieser Reihe den Tieren gewidmet sein, die für die Wikinger von besonderer Bedeutung gewesen sind. In diesem Fall dem Wolf.


In der Nase:


Die erste Nase ist süß und weich. Es kommt ganz viel Karamell und Vanille zum Vorschein. Jedoch ist auch eine gewisse Würze nicht von der Hand zu weisen, so dass der Vergleich zu dunklem, würzigem Karamell angebracht ist. Bemerkenswert ist die klare und deutlich hervorstechende Note von Heidekraut. Insgesamt bringt der Malt eine gute Brise frischer Grasigkeit mit sich. Mit der Zeit entfalten sich mehr Fruchtaromen. Man kann merklich saftig, roten Apfel wahrnehmen und ein Anklang von Beeren kommt durch. Der Ascherauch ist insgesamt sehr dezent und braucht einige Zeit um sich im Glas zu entfalten. Alles in allem eine sehr harmonische, schöne Nase.


Im Mund:

Der allererste Moment ist sehr, sehr weich und bringt nur eine leichte Würze mich sich. Diese baut sich allerdings schnell zu mehr auf. Es kommt eine deutliche Ladung an Kräutern durch und der Mund wird von einem mineralischen und kalkig erscheinenden Einfluss erobert. Der in der Nase noch dezente Torf ist zu einer guten Ladung kaltem Rauch geworden, der den Gaumen spürbar belegt. Mit einem zweiten Schluck und etwas Zeit kommt auch hier ein leichter Anklang von Frucht durch. Dieser geht aber eher in Richtung süßer, getrockneter Früchte und bringt keine Saftigkeit mehr mit sich. Es scheint sich eindeutig um den spürbaren Einfluss der verwendeten Sherryfässer zu handeln. Insgesamt ist das Erscheinungsbild dieses Malts im Mund deutlich schwerer und reifer als das in der Nase.


Abgang:


Der Abgang ist mittellang bis lang und bringt erstaunlich viel Süße mit sich. Es bleibt der Eindruck von getrockneten Früchten zurück. Auch der Rauch verweilt noch für einige Zeit am Gaumen. Insgesamt ein schöner und harmonischer Abgang der sich eher an der Nase als am Geschmack orientiert.


Abschließende Worte:


Ein wirklich rundum gelungener Whisky der zu überzeugen weiß und in der Range der Standards einen tollen Mittelpunkt bilden würde. Deutlich komplexer und vielseitiger als der zwölfjährige Malt aus der Brennerei, jedoch weniger als halb so teuer wie der wirklich sehr gelungene Achtzehnjährige. Und auch die typische Komposition aus süßem, leicht rauchigem Malt hat die Brennerei bei dieser Kreation nicht aus den Augen verloren. Auch wenn man Highland Park ja oftmals in Richtung Marketing und Qualität unter Kritik stellt, so gibt es hier eigentlich wenig Punkte, die diese rechtfertigen.



Tim´s persönliches Fazit:


Der auf dem Foto dargestellte Volltreffer ist diese Abfüllung für mich nicht, dazu ist die rauchige Note im Mund zu präsent, das ist allerdings nur mein persönliches Empfinden. Handwerklich ist der Whisky absolut gelungen. Für mich stellt sich hier die Frage, warum so etwas offiziell als Travel Retail Abfüllung auf den Markt gebracht wird, da es durchaus Potenzial für mehr hätte und die Core Range mit Altersangaben bei Highland Park ja durchaus überschaubar ist. Wie dem auch sei, am Ende bin ich fast ein bisschen traurig hier nur die kleine Ausführung der Flasche mein Eigen zu nennen und ich muss zugeben: Für einen solch tollen Malt verirre ich mich gerne mal wieder auf die Orkney Inseln!

Kategorie: Single Malt

Region: Islands

Brennerei: Highland Park

Alter: 14

Alkoholgehalt: 42,3%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: ja

Fasstyp: Sherry- und Bourbonfässer

Preis: ~25,00€ / ~55,00€

Flaschengröße: 350 ml / 1000 ml

WID: 114743 / 114742

Sonstiges: Travel Retail


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