Glenmorangie The Cadboll - #TN7

Heute widme ich mich einem Glenmorangie, und damit bin ich bei einem absoluten Big Player unter den schottischen Brennereien gelandet. Zusammen mit Glenfiddich, The Macallan (und eventuell noch wenigen anderen) darf sich Glenmorangie wohl zu den bekanntesten Single Malt Destillerien in Schottland zählen. Und auch mengenmäßig ist der Output der Brennerei beträchtlich. Trotzdem schafft es die Destillerie den Großteil des Malts unter eigenem Namen zu vermarkten, der Anteil der in Blends oder (in seltensten Fällen) in den Händen von unabhängigen Abfüllern landet ist überschaubar. Einer der Hauptgründe sehe ich darin, dass Glenmorangie mit jeder Abfüllung einen recht hohen Maßstab setzt. Mir persönlich ist es noch nie passiert, dass mir ein Malt aus dieser Brennerei so gar nicht zugesagt hat, immer wusste der Dram in irgendeiner Weise zu gefallen. Daneben schafft es die Destillerie in meinen Augen sehr sympatisch zu wirken. Bei unserem kurzen Stop vor Ort im letzten Jahr fühlten wir uns gleich wohl. Das Brennereigelände ist sehr offen gestaltet und man kann sich total frei dort bewegen und bereits von außen viel sehen. Ebenso wurden wir im Shop mit angeschlossener Bar sehr nett und freundlich empfangen. Insgesamt hat es einfach Spaß gemacht. Bei diesem Besuch hatte ich auch den heutigen Malt "The Cadboll" kennen lernen dürfen und ich hoffe, dass er mir hier in heimischen Gefilden immer noch sehr zusagt, wie er es vor Ort tat.


Über den Whisky:

Bei diesem Single Malt handelt es sich um eine Abfüllung die zur "Legends"-Reihe von Glenmorangie gehört. Dementsprechend gibt es immer eine kleine Geschichte zu dem jeweiligen Whisky. Hier stammt der Name "The Cadboll" von einem besonderen, silbernen Gefäß aus dem 16.Jahrhundert, welches in den Highlands (in der Nähe der Destillerie) in Ehren gehalten wird und zum trinken von Wein verwendet wurde. Dieser Kelch verbindet schottische Kunst mit mysteriösen französischen Einflüssen und trägt den Namen "Cadboll Cup". Auf die gleiche Kombination hat man auch bei dieser Abfüllung gesetzt. So durfte der schottische Single Malt nach der Reifung in ehemaligen Bourbonfässern noch den französischen Einfluss anhand eines Finish in französischen Weinfässern erfahren, welche zuvor mit Moscatel und Sauternes belegt waren. Wie lange der Malt insgesamt reifen durfte ist nicht angegeben. Abgefüllt wurde er ursprünglich für den Travel Retail, dadurch kommt der Whisky auch direkt in der 1L-Flasche daher. Deren Inhalt weißt eine Alkoholstärke von 43,0% auf und wurde zusätzlich noch gefärbt.


In der Nase:


Angenehm und recht unkompliziert in der Nase. Eine schöne Süße die in einer gewissen Trockenheit endet, aber dennoch frisch wirkt. Ich fühle mich in meine Kindheit versetzt: Im Freilichtmuseum Cloppenburg gibt es eine kleine, alte Steinofenbäckerei die immer köstlichen Butterkuchen gebacken hat. Genau an diesen herrlichen Duft erinnert mich dieser Whisky: es richt nach warmen, frischem und leicht süßem Gebäck. Aber damit genug mit den persönlichen Beschreibungen. Zu dem Kuchen gesellen sich Rosinen und Vanille, letztere wird zunehmend intensiver. Hintenraus zeigt sich zudem eine frische, leichte Zitrusnote. Jedoch keine Zitrone oder Limette, eher eine vollreife Orange. Wenn es rein nach der Nase geht, ist dies genau der richtige Dram für die aktuellen, warmen Sommermonate.


Im Mund:

Im Antritt kommt die volle Süße zum Tragen, die sich mit einer anfangs starken Würze paart. Die Würze kommt ganz klar von der Eiche her, neben den typischen Holznoten kommen Anklänge von leicht scharfem Zimt zum Vorschein. Die Würze baut recht schnell ab und die anfänglich noch fruchtige Süße wird zunehmend cremiger und schwerer. Es wandelt sich in Richtung Vollmilchschokolade. Die in der Nase so präsenten Rosinen lassen sich im Mund wahrnehmen, die Vanille hingegen ist kaum bis gar nicht spürbar. Insgesamt immer noch sehr lecker, jedoch nicht mehr so sommerlich leicht, wie die Nase es versprechen ließ.



Abgang:


Der Abgang ist mittellang bis lang. Auch hier ist anfangs ganz klar die Milchschokolade dominierend, welche sich bereits zum Ende im Mund gezeigt hatte. Diese Dominanz nimmt jedoch schnell ab und es präsentiert sich ein Potpourri aus verschiedenen Trockenfrüchten. Hier gewinnen klar die Rosinen die Oberhand und es endet in einer süßlichen Trockenheit. Dies ist in meinen Augen die erste und einzige Stelle, an der sich das Weinfassfinish wirklich wahrnehmen lässt.


Abschließende Worte:


Ein typischer Glenmorangie! Wie die meisten aus dieser Destillerie stammenden Malts lässt auch dieser hier sich gut und einfach trinken, überfordert die Geruchs- und Geschmackssinne nicht und erfüllt dennoch alle Kriterien die man an einen guten Whisky stellt. Allerdings spiegelt sich die Geschichte, welche rund um diesen Malt aufgebaut wird, im Inhalt der Flasche nicht sonderlich stark wider. So werden zwar die schottischen Traditionen anhand des guten handwerklichen Malts präsentiert, die französischen Einflüsse, die durch das Finish im Weinfass Einzug erhalten sollten, sind jedoch so gut wie gar nicht (außer kurz im Abgang) wahrnehmbar. Dem Gesamteindruck sollte das jedoch keinen Abbruch tun. Und wenn man die Augen aufhält ist eine solche Flasche bereits für 60,00€ bis 70,00€ erhältlich, was mir in Anbetracht der 1000 ml Inhalt in der heutigen Zeit durchaus angemessen erscheint.



Tim´s persönliches Fazit:


Mir gefällt dieser Whisky immer noch! Wie einleitend erwähnt hatte ich die Abfüllung vor gut einem Jahr kennengelernt und seit dem nicht mehr getrunken, mein positiver Eindruck bleibt jedoch bestehen. Allerdings ist der Whisky gar nicht mal so leicht und sommerlich wie ich ihn in Erinnerung hatte. Aber der Nase macht dieser Whisky auch im Hochsommer Freude! Wer will jedoch schon nur am Whisky schnuppern?! Daher wandert die Flasche wohl doch vorerst wieder zurück ins Regal und wird wieder hervorgekramt, wenn die kühleren und ungemütlicheren Tage Einzug erhalten.

Kategorie: Single Malt

Region: Highlands

Brennerei: Glenmorangie

Alter: NAS

Alkoholgehalt: 43,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: ja

Kühlgefiltert: ja

Fasstyp: Ex-Bourbon und Finish in französischen Barriques (Moscatel + Sauternes)

Preis: ~60,00€ bis 80,00€

Flaschengröße: 1000 ml

WID: 105962

Sonstiges: abgefüllt für den Travel Retail (aber auch außerhalb erhältlich)


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