Glenglassaugh 2009 - Single Cask Oloroso Finish - Hand Bottled #TN27

Heute steht mal wieder eine Abfüllung auf dem Plan, an die man nicht so einfach rankommen kann. Diese und ähnliche Flaschen sind nur bei Glenglassaugh vor Ort erhältlich. Leider hatte auch ich noch nicht die Möglichkeit, mir selbst ein Bild der Brennerei zu machen. Umso mehr freut es mich, dass man mir diese Flasche plus ein Sample mitgebracht hat und dass ich meine Eindrücke zu diesem schönen Malt mit euch teilen kann. An sich sind Abfüllungen von Glenglassaugh aktuell auf dem Markt noch recht selten, was jedoch eher in der Vergangenheit der Brennerei begründet ist. Der reguläre Betrieb wurde erst im Jahr 2009 wieder aufgenommen, somit sind Abfüllungen mit den üblichen Altersangaben von 12 oder 15 Jahren erst in den nächsten Jahren zu erwarten. Und die alten Bestände aus den Jahren vor 1985 werden ebenfalls nicht mehr die größten sein, oder wenn nur in sehr teuren und stark begrenzten Abfüllungen auf den Markt kommen. Umso mehr freut es mich nun im Folgenden eine Flasche von Glenglassaugh vorstellen zu können.


Über den Whisky:

Bei allen die sich etwas genauer mit diesem Whisky beschäftigt haben hat sich Verwirrung breit gemacht. Verkauft wurde der Malt offiziell als Sherry Cask, bei der Recherche und einer Nachfrage in der Destillerie kam jedoch raus, dass es genau genommen "nur" ein Sherry Finish ist. Von 2009 bis 2014 reifte der Malt in einem ehemaligen Bourbonfass, ehe er in ein Sherryfass umgefüllt wurde. Anschließend stand er in den Jahren 2017 und 2018 in der Brennerei bereit und wartete auf die Handabfüllung durch den Besucher. In meinem Fall hat es der Whisky insgesamt auf knappe zehn Jahre im Fass geschafft. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Alkoholstärke mit zwei Ziffern nach dem Komma angegeben wurde, sie liegt bei 58,75%. Gefärbt oder gefiltert ist der Whisky bei dieser Abfüllung natürlich nicht, schließlich wurde er ja vom Maltliebhaber selbst aus dem Fass geholt und in die Flasche gebracht.


In der Nase:


Die erste Nase zeigt eine schön tiefe Süße. Dazu zeigt sich ein deutlicher Anklang dunkler Schokolade. Außerdem gibt es wenige Whiskys, denen man eine so deutliche Marzipannote entnehmen kann. Zusammen mit der dunklen Schokolade erinnert an das bekannte, in Schokolade umhüllte Marzipan aus dieser einen Norddeutschen Stadt. Des Weiteren zeigt sich mit der Zeit etwas Karamell in der Nase, dazu eine leichte Nuss und auch die Früchte werden nach und nach mehr. Dabei handelt es sich deutlich um rote, teils getrocknete Früchte. Es erinnert ein wenig an den Geruch in der Küche, als Großmutter ihre Marmelade eingekocht hat. Der Sherryeinfluss ist unverkennbar, von der Nase her wäre hier auch eine Vollreifung im Sherryfass vorstellbar. Hintenraus kommt dann sogar noch etwas Würze und leichte Kräuter durch. Insgesamt eine wunderbar volle Nase und genau das Richtige für die kalte Jahreszeit.


Im Mund:

Der erste Schluck fordert den Gaumen direkt und bietet eine eher ungewöhnliche Kombination von pikanten und süßen Nuancen. Die Süße ist hier anders als in der Nase nicht mehr so fruchtig, es handelt sich eher um eine zuckrige Süße, die teils bis hin zu dunklem Karamell geht. Dazu kommt ein leicht bitterer Einfluss, der jedoch nicht sonderlich unangenehm auffällt, sondern eher eine weitere interessante Komponente bietet. Die einzige Frucht, die sich noch im Glass noch zeigt, ist eine ehemalige Weintraube, die mittlerweile in Form einer Rosine vorliegt. Deutlich stärker als in der Nase ist dafür der Einfluss von Nuss. Ganz eindeutig lassen sich auf der Zunge und am Gaumen Haselnüsse vernehmen. Dazu kommt die Assoziation zu irgendeinem Gebäck auf. In Kombination wären hier eventuell der Vergleich zu Nussecken denkbar. Hintenraus werden dann die Röstaromen dominanter, Kaffee oder Espresso lässt sich finden. Insgesamt ein eher ungewöhnliches Aromenbild welches aber wunderbar harmonisch daherkommt.


Abgang:


Der Abgang ist mittellang bis lang und eindeutig trocken werdend. Am Gaumen und auf der Zunge bleiben die dominanten Röstaromen zurück und man könnte meinen, kurz zuvor einen Schluck Kaffee getrunken zu haben. Des Weiteren zeigt sich im Abgang ein überraschender Anklang von Minze, dieser war zuvor weder in der Nase noch im Mund zu erkennen. Eine schöne Nuance die dem Malt nochmals etwas mehr Komplexität und Tiefe verleiht.


Abschließende Worte:


Die richtige Wahl für die kalte Jahreszeit. Eine herrliche Tiefe durch den Einfluss des Sherryfasses, die Fassstärke ist gut eingebunden und verleiht dem Malt die nötige Kraft, und auch die ein oder andere Assoziation zu weihnachtlichen Dingen kommt auf. Und trotzdem schafft es dieser Malt im Gegensatz zu anderen reinen Sherrybomben auch überraschende und teils andere Seiten zu zeigen. Alles in allem ist dies ein Whisky, der neben dem Körper an sich auch das Herz zu erwärmen weiß.


Tim´s persönliches Fazit:


Hier handelt es sich eine Abfüllung mit dem wohlmöglich besten Preis-Leistungs-Verhältnis, welches mir jemals begegnet ist. Zum einen sind die Flaschen, welche man von Hand in der Destillerie abfüllt oder die nur vor Ort erhältlich sind, meist überdurchschnittlich bepreis. Hier halte ich jedoch eine Flasche für umgerechnet ca. 50€ in der Hand, die ihren Preis gleich mehrfach wert ist. Zum einen erhält man das Erlebnis vor Ort in der Brennerei und kann sich gewiss sein, einen streng limitierten Tropfen in der Hand zu halten. Auf der anderen Seite ist auch der Inhalt ohne jeglichen Hintergrund den Preis wert. Selbst wenn es sich um eine "einfache" Standardabfüllung handeln würde, so würde ich immer wieder den genannten Preis dafür zahlen. Und am Ende bleibt mir neben diesem fantastischen Whisky noch eine Sache mehr: Eine weitere Destillerie auf der Liste für meine nächste Schottlandreise.

Kategorie: Single Malt

Region: Highlands

Brennerei: Glenglassaugh

Alter: 9 Jahre

Alkoholgehalt: 58,75%

Fasstärke: ja

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Oloroso Sherry Finish

Preis: ~50,00€ (mittlerweile teurer)

Flaschengröße: 500 ml

WID: 115587

Sonstiges: Hand Bottled at Distillery


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