Glen Moray Rhum Agricole Finish - Elgin Curiosity - #TN14

Glen Moray ist eine Brennerei von der wohl die meisten schon einmal etwas gehört haben und vermutlich auch probiert haben. Dennoch bekommt man von Glen Moray eher weniger mit und bei vielen Whiskyfans steht diese Destillerie nicht sonderlich hoch im Kurs. Dabei bietet sie eine große Auswahl an verschiedenen Abfüllungen an, die meist zu einem sehr guten Preis erhältlich sind. Über den Malt selbst hört man auch fast nie etwas Negatives. Viele Flaschen sind jedoch eher unauffällig und häufig nicht sehr komplex, sodass viele die Abfüllungen als guten "Daily Dram" oder Standard bezeichnen. Daher wird nicht viel über sie geredet oder geschrieben. Nun hat man sich bei Glen Moray etwas besonderes ausgedacht: Die Elgin Curiosity Reihe. In dieser werden verschiedene Malts mit sehr speziellen Fassreifungen abgefüllt, welche man sonst auf dem Markt kaum bis gar nicht findet. Bisher sind insgesamt drei verschiedene Abfüllungen in dieser Reihe erschienen. Diese werde ich euch in den nächsten zwei Wochen nach und nach vorstellen. Den Start dabei macht das Rhum Agricole Finish, welches offiziell der zweite Teil der Serie war. Der offiziell erste Teil (Cider Cask) folgt nächste Woche.


Über den Whisky:

Dieser feine Tropfen durfte - wie der Name schon sagt - eine etwa zweijährige Nachreifung in Rumfässern genießen. Dabei wurden aber nicht irgendwelche Fässer verwendet. Die verwendeten Behältnisse beinhalteten zuvor eine Art von Rum, die man eher selten findet. Der meiste Rum wird aus der Melasse hergestellt, ein mehrfach ausgekochter Zuckerrohrsaft und ein Abfallprodukt der Zuckerindustrie. Der Rhum Agricole hingegen wird aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert und macht nur rund 10% der Rumproduktion aus. Wie lange der Malt insgesamt reifen durfte ist nicht bekannt, da es keine offizielle Altersangabe gibt. Abgefüllt wurden von dieser besonderen Kreation insgesamt 3060 Flaschen die nur für den UK Markt bestimmt sind. Auf den Zusatz von Zuckerkulör und die Filterung hat man verzichtet. Der Whisky kommt in der angenehmen Trinkstärke von 46,3% daher.


In der Nase:


Die erste Nase bringt eine Süße und Frische zugleich. Die süßliche Komponente scheint ganz klar vom Rum zu stammen, etwas zuckrig oder leicht karamellisiert. Die frischen Facetten erinnern mich an Limetten. Die Kombination aus beidem ist das pure Karibikfeeling. Im Hintergrund kommen noch weitere Fruchtnoten durch, es geht in Richtung Ananas und sehr reifem Apfel. In Verbindung mit der Süße erinnert mich der Geruch ein wenig an in Butter geschwenkte Apfelringe. Je länger ich die Nase im Glas habe, desto mehr drängt sich ein wenig Honig auf. Im Hintergrund spielt eine leichte Schärfe mit, könnte eine Kombination aus Pfeffer und Ingwer sein.


Im Mund:

Im ersten Schluck ist die Süße deutlicher dominanter als noch in der Nase. Die Assoziation zu reifen, fast braun werdenden Bananen kommt auf. Anschließend folgt der Übergang zu einem fruchtigen Cocktail mit jeder Menge Ananassaft und einer würzigen Komponente. Auch hier ist der Pfeffer und Ingwer präsent. Der Apfel, welcher in der Nase noch als überreif daher kam, ist zu getrockneten Apfelchips übergegangen. Darunter mischen sich Bananenchips, es erinnert ein wenig an ein fruchtiges, gesundes Frühstücksmüsli. Im Hintergrund ist ein minimales, alkoholisches Prickeln zu spüren. All dies endet in Zitrone und Honig. Es kommt der Gedanke einer abgekühlten heißen Zitrone auf.


Abgang:


Der Abgang ist leicht und mittellang. Es bleibt eine fruchtige Süße, die sich wieder aus Ananas und Apfel zusammensetzt. Hintenraus belegen Vanille und Eiche den Gaumen. Auch hier spielt eine kleine Schärfe mit.


Abschließende Worte:


Insgesamt ein schöner Whisky, der einem das Gefühl gibt im Urlaub zu sein. Die große Besonderheit bei diesem Malt bleibt jedoch aus. Ein Whisky mit Rumfinish findet man zwar auch nicht all zu oft, einige davon gibt es jedoch auf dem Markt. Das "Alleinstellungsmerkmal" Fässer von Agricole Rhum zu verwendet geht hingegen etwas unter, da man keinen wirklichen Unterschied zu dem Finish in anderen Rumfässern erkennen kann. Und auch hier kommt wieder das Problem zum Tragen, mit dem Glen Moray häufig kämpft. Dieser Whisky ist lecker, leicht und gut zu trinken, jedoch nicht herausragend. Somit droht er in der Masse unterzugehen. Bei alle dem sollte man den Preis jedoch nicht vergessen, der mit ca. 60€ sehr angemessen gewählt wurde und bei dem man nicht die ganz großen Dinge erwarten sollte.



Tim´s persönliches Fazit:


Gefiel mir dieser Whisky? JA! Würde ich diesen Whisky nochmal kaufen? NEIN! Auch wenn ich ein Fan von Glen Moray bin muss ich zugeben, dass es viele andere Malts zu ähnlichem Preis gibt, die ich mir besser gefallen und mich mehr in ihren Bann gezogen haben. Hier verspricht die Geschichte hinter dem Malt leider etwas mehr als der Inhalt: Die besonderen Fässer spiegeln sich im Geschmack nicht als etwas Außergewöhnliches wider. Aber diese Curiosity Reihe ist vermutlich genau dafür da, um herauszufinden und zu schauen, welche Abfüllungen wie auf dem Markt ankommen. Und eines vorab: Die anderen beiden Abfüllungen dieser Reihe haben mich deutlich mehr begeistert. Mehr dazu in den folgenden Beiträgen.

Kategorie: Single Malt

Region: Speyside

Brennerei: Glen Moray

Alter: NAS

Alkoholgehalt: 46,3%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Rhum Agricole Finish

Preis: ~60,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 136116

Sonstiges: UK Exclusive / 3060 Flaschen


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