Glen Moray Madeira Cask Project - Elgin Curiosity - #TN16


Heute widme ich mich dem dritten und aktuell letzten Teil der "Elgin Curiosity" Reihe. Und die Erwartungen heute sind recht groß. Der erste Teil der Reihe, der Cider Cask Finish, den ich euch letzte Woche vorgestellt hatte, konnte mit einer super spannenden und ausgefallenen Geschichte aufwarten, geschmacklich war er jedoch nicht mehr als okay. Der zweite Teil der Reihe, der Rhum Agricole Finish, war da schon deutlich besser. Die Hintergrundgeschichte war interessant und der Malt an sich wusste durchweg zu überzeugen. Wenn sie es nun bei Glen Moray geschafft haben, die Steigerung von der ersten zur zweiten Abfüllung auch bei der dritten Abfüllung bieten zu können, dann muss einen dieser Whisky einfach vom Hocker hauen.


Über den Whisky:

Im Gegensatz zu den ersten beiden Abfüllungen der hier vorgestellten Reihe handelt es sich bei diesem Malt nicht um ein Finish, sondern um eine Vollreifung. Die dafür verwendeten Fässer stammen aus der Herstellung des portugiesischen Likörweins Madeira. In diese wurde der Spirit am 26.05.2006 gefüllt. Das Fass (bzw. die Fässer, für dieses Batch wurde mehr als nur eines verwendet) hat der Malt erst wieder im Jahr 2020 verlassen. Somit haben wir eine Reifezeit von guten 13 Jahren. Die Verwendung von Madeira-Fässern ist im Bereich des Whiskys nicht wirklich außergewöhnlich. Eine Vollreifung über diesen langen Zeitraum findet man jedoch ziemlich selten, was auch die Zugehörigkeit zur "Elgin Curiosity" Reihe begründet. Abgefüllt entstanden so 1468 Flaschen Single Malt, die ausschließlich für den UK Markt bestimmt sind. Der Alkoholgehalt liegt auch hier wieder bei 46,3% und auf eine zusätzliche Färbung oder Filtrierung wurde verzichtet. Der Ausgabepreis liegt bei umgerechnet ca. 70€.


In der Nase:


Voll, recht komplex, süßlich, einfach schön. So ist der erste kurze Eindruck in der Nase. Es beginnt mit einer vollen Ladung an cremigen Karamell. Dazu gesellen sich jede Menge Trockenfrüchte. Eine verführerische Kombination aus Feigen und Datteln. Zu diesem tollen Duo gesellt sich noch eine schöne Schokoladennote. Diese geht über in eine dezente Mischung aus Röstaromen und endet in einer satten Malzigkeit. Im Hintergrund lässt sich eine feine Fruchtigkeit entdecken, welche sich am besten als überreife Birne beschreiben lässt. Zu dieser fantastischen leichten Frucht gesellen sich feine Gewürze, die nur so hauchdünn wahrzunehmen sind, dass sie sich nicht näher beschreiben lassen. Eine Nase die ganz Großes verspricht!


Im Mund:

Der Antritt in Mund ist sehr weich und sanft. Die Aromen bauen sich erst langsam im Mund auf und füllen ihn nach und nach mit mehr deliziösen Facetten. Es beginnt mit einer durchaus stark präsenten Süße, die aber trotzdem angenehm und leicht daher kommt, kein Vergleich zu manchen dunklen Sherrybomben die pappsüß starten. Diese Nuancen werden zunehmend kräftiger und gehen in Richtung Kakao und Kaffee über. Auch hier kommen schöne Anklänge von geröstetem Getreide und Kaffee hervor. Die Feige, welche in der Nase noch in der getrockneten Ausführung vorlag, ist nun in frischer, reifer Form präsent. Nebenher spielen noch andere fruchtige Komponenten mit, es ist eine wirklich liebliche, süße Fruchtmischung die an einen ganz feinen Fruchtsalat mit ausgewählten, reifen Früchten erinnert. Im Hintergrund macht sich dann die Eiche breit, die Fässer scheinen durchaus noch aktiv gewesen zu sein. Alles in Allem hat die Nase nicht zu viel versprochen! Auch der Geschmack kann durchweg überzeugen und besonders erwähnenswert und hervorzuheben ist der Aufbau und die Steigerung der Aromen im Mund. Im Gegensatz zu vielen anderen Malts baut dieser im Mund auf und nicht ab.


Abgang:


Der Abgang ist mittellang und rundet den Eindruck im Mund perfekt ab. Die Eiche ist durchweg präsent, hinterlässt aber nicht die sonst so typische bittere Note. Der Gaumen bleibt umhüllt von einer schönen Süße, die durchweg angenehm ist.


Abschließende Worte:


WOW, was war das?! Ein Malt an dem es in der Nase, beim Geschmack, im Abgang und selbst bei den Eckdaten wirklich nichts auszusetzen gibt. Dieser Whisky hat keine Ecken und Kanten an denen man sich stoßen könnte und kommt trotzdem nicht eindimensional daher. Die Madeira Fässer haben dem Malt von Glen Moray viele tolle Facetten gegeben und man muss fast ein wenig traurig sein, dass es diese Abfüllung nicht ewig geben wird. An dieser Stelle lässt sich ansonsten ja auch gerne mal der Preis als Kritikpunkt nennen, aber selbst an diesem Punkt kann diesmal kaum etwas Negatives gefunden werden. 70€ für eine 13-jährige, nicht gefärbte und gefilterte Madeira-Vollreifung, die für einen anderen Markt bestimmt ist. Abschließend und kurz zusammengefasst: Ein absolut perfekter Dram!



Tim´s persönliches Fazit:


Wie eigentlich immer versuche ich von der Whiskybeschreibung, über die Nase, den Geschmack, den Abgang bis hin zum Fazit halbwegs neutral zu bleiben und lediglich meine Eindrücke zu schildern. Hier in meinem persönlichen Fazit dürfen dann auch die wahren Gefühle zutage kommen, und diese sagen: Kauft diesen Whisky solange man ihn noch bekommen kann! Eine ganz klare Kaufempfehlung meinerseits, und NEIN! Ich bekomme kein Geld dafür, im Gegensatz, auch ich gebe mein Geld für diesen Malt aus, dies aber gerne! Die in der Einleitung erhobenen Erwartungen wurden vollkommen erfüllt und auch von der zweiten zur dritten Abfüllung der "Elgin Curiosity" Reihe hat es Glen Moray geschafft, eine Steigerung zu präsentieren. Vor einigen Wochen war ich bereits bei WhiskyJason im Livestream zu Gast und auch dort waren wir von dieser Abfüllung sehr angetan. Wenn ihr mal etwas Zeit habt schaut euch die Wiederholung gerne noch einmal an.

Abschließend bleibt mir nur noch ein kurzes Fazit zu der hier vorgestellten Serie von Glen Moray, und dieses ist durchweg positiv. Zwar haben mir die Whiskys teils sehr gut und teils okay gefallen, jedoch haben sie es alle geschafft, neue Facetten der weiten Welt des Whiskys aufzuzeigen. Und genau das habe ich mir von der Reihe erhofft. Nicht umsonst wird sie offiziell als Kuriositäten-Reihe bezeichnet. Und das Beste: Diese Serie ist noch nicht beendet! Wir dürfen also gespannt sein, welche Kuriosität man sich als nächstes bei Glen Moray überlegt. Jetzt gehe ich aber erst noch einmal shoppen, denn eine Flasche mehr von dieser Madeira Anfüllung passt sicherlich noch in mein Regal!

Kategorie: Single Malt

Region: Speyside

Brennerei: Glen Moray

Alter: 13

Alkoholgehalt: 46,3%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Madeira Cask

Preis: ~70,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 159481

Sonstiges: UK Exclusive / 1468 Flaschen


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