Glen Moray Cider Cask Finish - Elgin Curiosity - #TN15


Wie angekündigt geht es heute mit der Elgin Curiosity Reihe von Glen Moray weiter. Nachdem ich euch letzte Woche das Rhum Agricole Finish vorgestellt habe, ist nun das Cider Cask Finish dran. An dieser Stelle hat Glen Moray dem Namen der Reihe alle Ehre gemacht, denn kurios und vor allem außergewöhnlich ist die Reifung in Ciderfässern.

Und auch die SWA (Scotch Whisky Association), welche die schottische Whiskyproduktion regelt und auf die Einhaltung gewisser Regeln achten, hat sich zu Wort gemeldet. So darf Scotch Whisky nur in frischen Fässern reifen, oder in Fässern, die zuvor Wein, Bier/Ale oder andere Spirituosen beinhalteten. Zusätzlich gibt es noch weitere Einschränkungen: Dazu zählen dass diese Produkte nicht aus Steinfrüchten hergestellt worden sein dürfen, nach der Fermentation bzw. Destillation keine Früchte oder Süßstoffe beigefügt werden dürfen und einige mehr. Auf jeden Fall erfüllt ein ehemaliges Ciderfass nicht die Regeln der SWA und daher darf sich ein Malt aus Ciderfässern eigentlich nicht Scotch nennen. In anderen Ländern (wie Irland) ist ein solches Finish hingegen erlaubt. Das Glen Moray am Ende diesen Whisky doch als Scotch deklarieren durfte wurde wie folgt erklärt: Bei den verwendeten Fässern handelte es sich ursprünglich um Whiskyfässer, die im Rahmen eines Austauschprogramms zum Cider Produzent Thistly Cross gegeben wurden um Cider mit Whiskyfinish herzustellen. Einige der Fässer wurden anschließend zurück nach Glen Moray gebracht um sie hier erneut mit Whisky zu belegen. Somit handelt es sich offiziell nicht um Ciderfässer, sondern um Whiskyfässer, die zwischenzeitlich Cider beinhalteten. Auf Grund dieser Regeln bleibt es allerdings fraglich ob es so schnell weitere schottische Malts mit Cider Einfluss geben wird, vermutlich eher nicht. Die Geschichte macht es auf jeden Fall wert, diesen Tropfen einmal zu probieren.


Über den Whisky:

Befüllt wurden die Flaschen im Jahr 2018. Wann der Malt destilliert wurde und wie lange er somit reifen durfte ist leider nicht bekannt, da es keine offizielle Altersangabe auf den Flaschen gibt. Angefüllt wurden insgesamt 2000 Exemplare, welche ausschließlich für den UK Markt bestimmt waren. Der Preis lag bei umgerechnet um die 65€, heute findet man die Flaschen jedoch wenn überhaupt noch auf dem Sekundärmarkt zu deutlich höheren Preisen. Der Whisky wurde mit 46,3% in die Flasche gefüllt und auf den Zusatz von färbenden Stoffen und auf die Kühlfilterung hat man verzichtet.





In der Nase:


Die erste Nase ist leicht süß und frisch, der Anklang von Apfel ist deutlich spürbar. Es geht in Richtung eines grünen, saftigen Apfels der jedoch reif ist, kein unreifer, zu früh geernteter Apfel. Insgesamt die Nase sehr grün und frisch. Es kommen leichte Grasnoten und Nuancen von frischen Ästen oder Holz durch. Je länger und intensiver man richt, desto mehr öffnen sich die Fruchtkomponenten und es zeigt sich etwas Birne und ein exotischer Fruchtsalat. Letzterer besteht aus Früchten wie Mango, Papaya und verschiedenen Melonen. Im Hintergrund zeigt sich ein leichter Anklang von Malz und frischem Getreide, der sich bis hin zu leichtem, noch warmen Gebäck zieht. Alles in allem ist die Nase sehr floral und blumig (nicht parfümiert). Mich begleitet dabei die gesamte Zeit ein leichtes prickeln in der Nase, welches mich an das Riechen an Sekt erinnert. Es handelt sich aber nicht um das typische alkoholische Prickeln, dafür ist der Alkohol zu gut eingebunden und sticht in der Nase kaum hervor.


Im Mund:

Auch hier macht sich der Einfluss des Ciderfass ganz klar bemerkbar. Der Malt startet säuerlich und leicht prickelnd mit einer Menge reifem, jetzt eher rotem Apfel. Es spielt eine leichte Süße mit, die den Apfel phasenweise fast in Richtung Birne kippen lässt. Nach der Fruchtigkeit wird der Gaumen von einer bitter werdenden Note belegt und das Mundgefühl wird zunehmend trockener. Hier hat das Holz ganze Arbeit geleistet und eine kräftige Würze hinterlassen, die hintenraus fast in Richtung Pfeffer geht. Andere, sonst so typische Aromen wie Vanille, findet man bei diesem Malt gar nicht. Insgesamt erinnert der Geschmack eher wenig an typischen Whisky. Er ist definitiv etwas besonderes und insbesondere für den Sommer sehr gut geeignet. Mit dem zweiten Schluck empfinde ich die Frucht noch deutlich präsenter als mit dem ersten und irgendwie werde ich auch hier den Gedanken an Sekt nicht los.


Abgang:


Der Abgang ist ist mittellang. Es bleibt eine Süße zurück, die immer trockener wird. Am Gaumen lassen sich noch Anklänge von Äpfeln und Limonen finden. Und nun tatsächlich doch noch: Hier hat sich die Vanille die gesamte Zeit versteckt, um zum Finale hervorzutreten. Schön!


Abschließende Worte:


Dieser Whisky wird ganz klar die Geister scheiden. Fans von klassischem Malt werden hier wenig Freude haben und lieber zu anderen Drams greifen. Leute, die gerne mal etwas Neues ausprobieren, werden diesen Whisky toll finden, insbesondere für die warme Sommerzeit. Deutlicher ausgedrückt, diesen Whisky liebt oder hasst man. Aber egal auf welcher Seite man steht: Hier muss man Glen Moray sagen, dass sie alles richtig gemacht haben. Diese Abfüllung ist in der Elgin Curiosity Reihe erschienen, und kurios und außergewöhnlich ist dieser Malt alle Male. Die verzweigte Geschichte der Entstehung setzt sich im Geschmack fort und macht den Whisky zu etwas Besonderem. Leider kommt man nur noch schwer an eine Flasche oder an ein Sample ran. Wenn man jedoch die Möglichkeit dazu hat, sollte man sie ergreifen, denn ein Dram aus dieser Flasche erweitert den Whiskyhorizont auf jeden Fall.

Tim´s persönliches Fazit:


Ich gehöre zu der Seite, die diesen Whisky liebt! Bei dem Rhum Agricole Finish habe ich noch bemängelt, dass die Besonderheit lediglich auf dem Papier besteht, sich jedoch nicht in dem eigentlichen Inhalt der Flasche finden lässt. Dies ist hier absolut anders. Die Entstehungsgeschichte und der Whisky selbst sind außergewöhnlich. Auch wenn ich diesen Malt gut fand, zählt er sicherlich nicht zu den Besten, die ich bisher probiert habe. Dennoch gab es kaum einen anderen Tropfen über den ich so froh war, ihn probiert zu haben. Die 65€ für die Flasche waren es auf jeden Fall wert, denn hier konnte man Whisky wieder von einer Seite entdecken, die einem nicht allzu oft präsentiert wird.

Kategorie: Single Malt

Region: Speyside

Brennerei: Glen Moray

Alter: NAS

Alkoholgehalt: 46,3%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Cider Cask Finish

Preis: ~70,00€ (Ausgabepreis)

Flaschengröße: 700 ml

WID: 118589

Sonstiges: UK Exclusive / 2000 Flaschen


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