Glen Moray 2008 - Amarone Cask - Anam na h-Alba #TN22

Glen Moray liegt in an dem schottische Fluss Lossie, welcher die Grenze zwischen der Speyside und den restlichen Highlands bildet. Offiziell wird Glen Moray aber noch als Speysider verkauft. Besonders viel bekommt man von dieser Brennerei in der Regel nicht mit, und das obwohl die Produktionsmenge nicht gerade gering ist. Zwar findet man die Standardrange von Glen Moray in fast jedem Shop und Supermarkt und der Absatz ist auch nicht zu verachten. Unter den richtigen Whiskyenthusiasten hingegen spielt die Brennerei eher eine untergeordnete Rolle: Die Standardabfüllungen sind vielen von ihnen zu langweilig und dünn. Auch der Besuch vor Ort weckt auf den ersten Eindruck keine unendliche Freude, sieht die Brennerei selbst doch wie ein großer, industrieller Betonklotz aus. Ist man jedoch erst einmal angekommen, hat das super freundliche Personal vor Ort kennengelernt und die schönen Einzelfassabfüllungen probiert, wendet sich bei vielen das Blatt. Glen Moray ist eine Brennerei, auf die man sich einlassen muss. Dies habe ich getan und mittlerweile zählt sie zu meinen absoluten Lieblingen. Denn am Ende zählt der Inhalt der Flasche, und dieser ist abseits der Standardrange oft überragend. Insbesondere bei unabhängigen Abfüllern findet man häufig außergewöhnliche Tropfen. Ob dieser hier von Anam na h-Alba dazugehört, finden wir im Folgendem heraus.


Über den Whisky:

Dieser Malt wurde im Januar 2008 in der Speyside gebrannt und anschließend in einem Amarone Quarter Cask gelagert. Da es sich hierbei um ein recht kleines Fass handelt, ca. 127 Liter Fassungsvermögen, hat der Inhalt verhältnismäßig viel Kontaktfläche zum Fass. Dies spiegelt auch die Farbe wider. Ohne Zusatz von Zuckerkulör kommt der Whisky in einem dunklen Kupferton daher. Abgefüllt wurde er nach guten 12 Jahren im Mai 2020. Das Ergebnis sind 181 Flaschen, die mit einer Fassstärke von 52,1% daherkommen. Wie es für die Abfüllungen von Anam na h-Alba eigentlich üblich ist, wurde auch dieser Malt nicht kühlgefiltert. Erhältlich ist die Flasche für etwas über 80€. Auf die Umverpackung wurde verzichtet, auch dies ist typisch für den Abfüller Anam na h-Alba.


In der Nase:


Der Malt liegt cremig im Glas und bildet schöne dicke Schlieren an diesem. Auch in der Nase wirkt der Whisky cremig und erstaunlich zurückhaltend. Der Alkohol ist kaum spürbar. Auch fällt es schwer andere Aromen zu identifizieren, der Whisky macht ein wenig dicht. Insgesamt dringen leichte Weinnoten hervor, diese sind für eine Vollreifung im Amarone Fass jedoch sehr dezent. Mit der Zeit zeigen sich ein paar Beeren: Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren. Eine bunte Mischung an Früchten wie man sie im Wald finden kann. Es erinnert ein wenig an eine rote Grütze, oder das Glas Waldfruchtmarmelade. Auch die Zugabe von Wasser öffnet die Nase nicht wirklich. Insgesamt ist der Eindruck in der Nase recht dezent, nicht dass, was man bei den Eckdaten dieses Malts erwarten würde.


Im Mund:

JA! Nach der kurzen Enttäuschung in der Nase hier nun endlich die erwarteten Aromen. Der Mund ist voll mit Johannisbeere. Dazu kommt eine leichte Nussnote und ein paar Rosinen gesellen sich hinzu. Im Hintergrund wirkt der Malt etwas schokoladig, aber eher leicht und cremig dabei, es erinnert an eine Tafel Milchschokolade. Hintenraus zeigen sich weitere dunkle Früchte, es lässt sich eindeutig Schwarzkirsche finden. Die bei Weinfässern so oft vorhandene Trockenheit bleibt aus. Insgesamt ist der Einfluss vom Amarone Fass eher dezent, es ergänzt den Whisky schön ohne dabei wirklich aufdringlich zu sein. Mit der Zugabe von Wasser wirkt der Malt im Mund etwas süßer. Ansonsten bleibt der eh schon runde Dram gefällig und harmonisch. Im Gegensatz zur Nase ein wirklich schönes Zusammenspiel der verschiedenen Aromen.


Abgang:


Der Abgang ist eindeutig lang, dieser Malt beschert dem Gaumen noch lange Freude. Anfänglich eine dezente fruchtige Süße, auch hier ist der Vergleich zu einer Mischung Beeren angebracht, jedoch dieses Mal eher im getrockneten Zustand. Mit der Zeit kommt die vorher ausgebliebene Trockenheit zum Vorschein. Die fruchtige Süße entwickelt sich hinweg über Honig zu einer zarten Eiche, die den Abgang beendet und noch für einige Zeit am Gaumen verweilt.


Abschließende Worte:


Diesem Whisky muss man eindeutig etwas Zeit, beziehungsweise eine zweite Chance geben. Alle, die sich gerne und lange mit der Nase beschäftigen wollen, werden diesen Malt vermutlich schon abgeschrieben haben, bevor er überhaupt im Mund angekommen ist. Schafft er es dennoch an den Gaumen, wird er viele Freunde finden, da er mit einer dunklen und tiefen Fruchtigkeit punkten kann. Alles in Allem ein Whisky der nach hintenraus immer mehr aufbaut. Angefangen bei einer ziemlich schwachen Nase, geht es fulminant und deutlich stärker im Mund und im Abgang weiter. Aufgrund dieser Tatsache handelt es sich eher um einen Malt für Genießer, die in gemütlicher Runde zusammensitzen und nebenbei einfach einen Dram verköstigen wollen. Die großen Analysten werden an dieser Abfüllung vermutlich weniger Spaß finden.



Tim´s persönliches Fazit:


Ich bin bekanntlich Fan von Glen Moray und auch die Reifung in Weinfässern sagt mir sehr zu. Nachdem ich in letzter Zeit viele tolle Abfüllungen von Anam na h-Alba verkostet hatte, konnte ich diese Flasche natürlich nicht an mir vorbeigehen lassen. Ich hielt die Flasche in der Hand und bereits die Farbe hat mir wahre Freude bereitet. Die Ernüchterung ließ jedoch nicht lange auf sich warten nachdem ich die Nase am Whisky hatte: Selten hatte ich einen Malt im Glas, der so zurückhaltend war wie dieser. Das anschließende Erlebnis am Gaumen konnte die anfängliche Enttäuschung jedoch schnell wieder wettmachen. Hier zeigte sich der Glen Moray wie ich ihn liebe. Abschließend muss ich festhalten, dass mir mein Waldspaziergang mit dieser Flasche Spaß bereitet hat und ein paar nette Fotos entstanden sind. Bei dem Preis von knapp 85€ muss ich jedoch auch sagen, dass beim nächsten Mal eine andere Abfüllung mitdarf, gerne wieder ein Glen Moray oder ein Anam na h-Alba, aber muss nicht diese Flasche beziehungsweise diese Abfüllung sein.

Kategorie: Single Malt

Region: Speyside

Brennerei: Glen Moray

Alter: 12 Jahre

Alkoholgehalt: 52,1%

Fasstärke: ja

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Amarone Quarter Cask

Preis: ~85,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 160717

Sonstiges: -


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