Fettercairn 16 Jahre 1st Release - #TN8

Bereits zum Ende des letzten Jahres (2019) wurde diese neue Abfüllung von Fettercairn angekündigt. Vor einigen Wochen war es dann endlich so weit und die Nachricht machte die Runde, dass die Flaschen ab sofort in verschiedensten Shops erworben werden kann. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und habe direkt wieder zugeschlagen. Ob ich mir das gut überlegt habe? Ich denke schon, auch wenn meine Gedanken und Erinnerungen durch die Brennereibesichtigung im letztes Jahr sicherlich noch leicht vernebelt und beschlagen waren. Und das meine ich dieses mal absolut bildlich! Die beiden Spirit Stills von Fettercairn sind mit einem sogenannten "Cooling Rings" ausgestattet (auf den Bildern unten im Beitrag gut zu erkennen), welche Wasser an den Außenwänden der Brennblasen entlanglaufen lassen und diese dadurch kühlen. Während des Brennprozesses entsteht somit jede Menge Dampf und wir fühlten uns ein wenig wie in der Sauna. Dieser Vorgang ist für die Produktion von Single Malt auch absolut einzigartig und sorgt für einen besonders milden Spirit, da mehr gasförmiger Alkohol bereits in der Blase wieder kondensiert und zurück in den Topf fließt. Dieser Cooling Ring wurde auch am Flaschenhals dieser Abfüllung berücksichtigt. Zusammen mit dem Einhorn, welches durch das Familienwappen von Sir Ramsay, dem Gründer der Brennerei, Einzug in das Logo erhielt ziert er diese formschöne, durchaus schwere Flasche. Bei dieser Abfüllung läuft mir bereits das Wasser im Mund zusammen ohne sie probiert zu haben, es wird also Zeit, sich endlich dem Flascheninhalt zu widmen!


Über den Whisky:

Dieser Malt durfte 14 Jahre lang in frischen, ehemaligen Bourbonfässern lagern, ehe er ein zweijähriges Finish in einer Mischung aus Sherry- und Portweinfässern erhielt. Warum man bei der Farbe trotz der stattlichen 16 Jahre Gesamtreife nicht auf Zuckerkulör verzichtet hat ist mir ein Rätsel, es soll dem Genuss jedoch kein Abbruch tun. Auch den Prozess der Kühlfilterung hat dieser Whisky durchlaufen, ehe er mit einer schönen Trinkstärke von 46,4% in die Flasche kam. Eine Besonderheit dieser Veröffentlichung ist das verwendete Schokoladenmalz. Bei dieser besondere Mälztechnik wird das Malz zusätzliche zwei Stunden lang recht hoch erhitzt. Dies führt dazu, dass Zucker im Malz karamellisiert und es eine deutlich dunklere Farbe erhält.

Auf der Flasche ist vermerkt, dass es sich um das erste Batch aus 2020 handelt. Und da diese Abfüllung als neuer Standard der Brennerei angekündigt war, kann man durchaus davon ausgehen, dass spätesten in den nächsten Jahren weitere Batches folgen werden.


In der Nase:


Bereits beim Ziehen des Korkens macht sich der Einfluss des Portfasses ganz deutlich bemerkbar. Außerdem wird die Nase von einer Flut an frischen, sehr reifen Früchten erfasst. Es geht in Richtung saftiger Pfirsich und Aprikose, fast schon überreif oder leicht karamellisiert. Neben den frischen Früchten ist auch das komplette Regal Trockenfrüchte am Start: Datteln, Feigen und Rosinen. Ich muss ein wenig an Omas klassischen Rumtopf denken. Weiter im Hintergrund findet sich dann auch die Assoziation zur Schokolade wider: cremig und dunkeln, verbunden mit einem Hauch Vanille. Hintenraus kommt dann ein wenig Holz, und das Portfass gibt die Dominanz in Richtung Sherry weiter. Insgesamt eine spannende und wirklich runde, jedoch absolut nicht langweilige, Nase.


Im Mund:

Dieser Malt geht gleich mal ordentlich zur Sache! Der Antritt ist sehr intensiv, dabei jedoch in keinster Weise vom Alkohol geprägt. Anders als noch in der Nase wirken die Früchte hier frischer und fester, nicht so weich und reif. Dafür ist die Schokolade deutlich dunkler und intensiver, es geht eindeutig in richtig Zartbitterschokolade. Auch das Sherryfass hinterlässt seinen Einfluss: So ist dieser Whisky zwar keine klassische Sherrybombe, jedoch ist ein Anklang dieser typischen, später trocken werdenden Süße zu erkennen.

Im Hintergrund macht sich eine leichte Schärfe breit, welche in Richtung weißer, gemahlener Pfeffer geht. Es endet in ein wenig Eiche, die aber nur eine zarte, kaum spürbare Bitterkeit mit sich bringt. Beim zweiten Schluck kommt mir zusätzlich Banane in den Kopf. In Verbindung mit der Schokolade erinnert es mich ein bisschen an eine Schokobanane, welche man klassischer Weise von Volksfesten kennt. Insgesamt ein wirklich spannender und abwechslungsreicher Malt der mir Spaß macht und mit jedem Schluck noch neue Facetten offenbart.


Abgang:


Der Abgang dieses Whiskys ist mittellang. Es bleibt eine herrliche Würze im Mund zurück, die ein wenig Einfluss von Kakao erhält. Zudem ist da eine auffällige, komplexe Süße zu entdecken. Es geht in Richtung eines kräftigen, dunklen Honigs.


Abschließende Worte:


Kann ein Malt besser sein? Vermutlich ja, aber leicht ist das nicht! Dieser Fettercairn ist herrlich komplex, zeigt viele tolle, unterschiedliche Facetten und ist dennoch absolut stimmig und rund. Und auch bei den Eckdaten gibt es wenig Potenzial zur Kritik: Ein gutes Alter, toll ausgewählte Fässer (14 Jahre lang frische Ex-Bourbonfässer!) und mit 46,4% nicht zu dünn geraten. Über die Färbung dieses Malts lässt sich hingegen streiten, da für mich am Ende aber der Geschmack zählt, sehe ich dies nicht als ernsthaften negativen Punkt an. Mit knapp 70€ liegt die Abfüllung im oberen Segment für Standards, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist absolut stimmig. Neben dem tollen Inhalt braucht sich auch die optische Aufmachung der Flasche nicht zu verstecken. Und um auf die einleitende Frage zurückzukommen: Besser geht wahrscheinlich, dann aber vermutlich deutlich teurer und nur als Sonderabfüllung. Andere Standards haben es mehr als schwer, bei diesem Tropfen mitzuhalten!



Tim´s persönliches Fazit:


Dieser Whisky löst in mir pure Freude aus! Ich war bereits vor der Verkostung ein großer Fan von Fettercairn und nach diesem Dram habe ich noch einen guten Grund mehr es auch zu bleiben. Und was mich noch mehr freut? Ich glaube mit dieser neuen Abfüllung schafft es die Brennerei auch weitere, bisher eher skeptische Maltfreunde von sich zu überzeugen und eventuell ein bisschen mehr in den Mittelpunkt zu geraten. Das hat sich dieses Juwel aus den Highlands in meinen Augen mehr aus verdient. Und sollte mich in Zukunft nochmal jemand fragen, warum ich so vernarrt in Fettercairn bin, dann reiche ich ihm ein Glas von dieser Abfüllung und belasse es bei einem kurzen: "Darum!".

Kategorie: Single Malt

Region: Highlands

Brennerei: Fettercairn

Alter: 16 Jahre

Alkoholgehalt: 46,6%

Fasstärke: nein

Gefärbt: ja

Kühlgefiltert: ja

Fasstyp: Bourbon Cask + Finish in Sherry und Port Casks

Preis: ~70,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 158694

Sonstiges: 1st Release 2020


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