Daftmill 2008 - Summer Batch Release - #TN13

Whiskyromantik, an vielen Stellen sucht man sich heute vergeblich. Produktionsmengen in siebenstelliger Höhe, Gerste aus Übersee, riesige Lagerhäuser abseits der Destillieren, dutzende verschiedene Abfüllungen, gefärbter und kühlgefilterter Whisky. Alles das muss beileibe nicht immer etwas schlechtes sein, passt jedoch oftmals nur schwer in das romantische, idyllische Denke über Whisky. Anders ist es bei der kleinen Brennerei Daftmill in den Lowlands. Hierbei handelt es sich um eine der wenigen echten Farm-Brennereien. Die gesamte verwendete Gerste wird auf den eigenen Feldern angebaut und nur von lokale Mälzereien verarbeitet. Insgesamt wird der Brennprozess bei Daftmill an die Zyklen auf einer Farm angepasst. So wird nur destilliert, wenn keine Saat, Ernte oder ähnliches ansteht. Dies führt dazu, dass im Jahr nur rund vier Monate lang gebrannt wird, zwei im Sommer und zwei im Winter. Die produzierte Menge beläuft sich dabei auf etwa 20.000 Liter (reinen Alkohol) im Jahr, was nur etwas mehr als 100 Fässern entsprechen dürfte. Dabei wird insgesamt knapp ein Fünftel der angebauten Gerste selbst verarbeitet. Der andere Teil findet bei anderen Brennereien guten Absatz. All diese Daten lassen das Herz von Whiskyfreunden höher schlagen, wenn da nicht die Verfügbarkeit und der Preis wäre. Um eine Flasche zu erwerben muss man sich bereits kurz nach dem Release ganz genau umsehen und auch die Geldbörse sollte gut gefüllt sein. An die ganz wenigen Single Cask Abfüllungen, die es bisher von Daftmill gibt, ist so gut wie gar kein rankommen. Dennoch freue ich mich sehr diese Flasche im letzten Jahr erstanden zu haben und nun mit und für euch probieren zu können.


Über den Whisky:

Daftmill bringt jedes Jahr zwei Release auf den Markt: ein Sommer und ein Winter Batch. Jedes Batch besteht aus circa sieben Fässern und für verschiedene Märkte (Europa, UK, America etc.) wird ein eigenes Batch abgefüllt. Bei meiner Flasche hier handelt es sich um das Sommer Batch für Europa, welches 2008 destilliert wurde und 2019 abgefüllt und auf den Markt gebracht wurde. Für dieses Batch wurden sieben first-fill Bourbon Fässer verwendet, welche anschließend ohne Kühlfilterung und Farbstoff bei 46% Alkohol in die Flasche kamen. Insgesamt ergaben sich daraus 1780 Flaschen. Diese sind zum Ausgabepreis bereits lange vergriffen. Auf dem Sekundärmarkt und bei einigen findigen Händlern mit größerem Lager findet man die Flasche auch jetzt noch, mit saftigem Aufschlag versteht sich. An dieser Stelle nochmal ein Danke an meinen local Dealer, der mir die Flasche zum Ausgabepreis von 150€ überlassen hat.


In der Nase:


Bereits mit der ersten Nase merkt man wie leicht, weich und harmonisch dieser Malt ist. Es steigt eine leicht Zitrusfrische in die Nase in Kombination mit leichtem, saftigen Gebäck. Die Kombination erinnert mich ein wenig an einen saftigen Topfkuchen mit ordentlich Zitronenabrieb drin. Außerdem ist eine wunderbar frische Vanillenote präsent, die Fässer scheinen noch sehr aktiv gewesen zu sein. Mit der Zeit wird der Malt in der Nase ein wenig süßer und andere leichte Sommerfrüchte lassen sich erahnen, unter anderem ein knackiger, saftiger Apfel. Insgesamt riecht dieser Whisky sehr floral und leicht, der Alkohol ist so super eingebunden, dass man ihn in der Nase fast gar nicht wahrnehmen kann. Selten habe ich trotz der deutlich erkennbaren Vielfalt an Noten eine so leichte und harmonische Nase gehabt.


Im Mund:

Der erste Schluck gleicht einem Biss in einen Zitronenkuchen - WOW! Warmer Biskuit in Kombination mit deutlichen Noten von Zitrusfrüchten. Hinzu kommt anderes frisches Obst wie Ananas und ein roter, saftiger Apfel. Außerdem ist die Vanille durchgehend präsent und belegt den kompletten Gaumen. Neben der Vanille haben die Fässer auch einen Anflug von Kokos im Malt hinterlassen, dieser ist aber sehr dezent. Mit dem zweiten Schluck bekomme ich Facetten die mich ein wenig überraschen, da ich sie zuvor in der Nase absolut nicht hatte. Es kommt eine Mischung aus verschiedenen Kräutern hervor die sich mit einer unerwarteten mineralischen Note verbinden. Insgesamt bleibt es aber bei einem floralen, leicht fruchtigen und milden Geschmack.


Abgang:


Auch der Abgang wird von einem Duett aus Vanille und Zitrusnoten dominiert. Dazu wird der Gaumen von etwas Malz belegt, der in eine bleibende Holzigkeit (ganz klar von der Eiche) übergeht. Die im Geschmack noch diffus wirkende Mischung aus verschiedenen Kräutern würde ich nun als eine Mischung aus Thymian, Rosmarin und eventuell etwas Minze bezeichnen. Wie bei vielen leichten, floralen Whiskys ist der Abgang eher kurz bis mittellang.


Abschließende Worte:


Diesen Malt darf man getrost als typischen Lowlander bezeichnen. Frisch, leicht, floral, aber trotzdem nicht eindimensional. Dem einen oder anderen werden bestimmt die Ecken und Kanten fehlen, an welchen man sich länger aufhalten kann und immer wieder etwas Neues entdecken kann. Anderen wird er genau deswegen zusagen, weil es keine Facetten gibt, die besonders hervorstechen und somit eventuell negativ auffallen könnten. Bleibt am Ende die Frage ob eine Flasche mit gerade einmal elfjährigem Malt 150€ (oder nun bereits deutlich mehr) wert ist. Und spätestens hier befinden wir uns wieder im dem Bereich, in dem jeder für sich selbst zu einer persönlichen Entscheidung kommen muss. Mit dem Hintergrund und dem Entstehungsprozess in dieser Brennerei ist der Preis für viele wohl gut begründbar, so auch für mich. Was man jedoch jedem ans Herz legen kann und sollte: Wenn ihr mal ein Sample oder ein Dram in einer guten Bar bekommen könnt, dann ist es dieser Daftmill auf jeden Fall wert, probiert zu werden.



Tim´s persönliches Fazit:


Ich habe mich ein wenig in diesen Malt verliebt, wobei die Geschichte drumherum und die Tatsache der Farm-Brennerei sicherlich nicht ganz unschuldig sind. Dennoch bin ich seit jeher eher Fan der leichten und fruchtigen Malts, und somit wundert es nicht, dass dieser Whisky genau meinen Nerv getroffen hat. Oftmals ist die Schwelle zwischen leicht und fruchtig hinzu langweilig ja sehr schmal. Dieser Daftmill steht aber eindeutig nicht auf der langweiligen Seite. Dafür gibt es viel zu viele tolle Noten zu entdecken. Selten habe ich eine solche Komplexität bei einem frischen, floralem Whisky finden können. Auch das Winter Batch 2007/2020 hat den Markt bereits erreicht und ich bin froh mir auch dort direkt eine Flasche gesichert zu haben. Bleibt nur noch ein Traum für mich als Sherryfan offen: Einmal ein Single Cask von Daftmill aus dem Sherry Fass probieren. Doof nur, dass die einzigen, davon existierenden Flaschen deutlich vierstellige Summen auf Auktionen einbringen...

Kategorie: Single Malt

Region: Lowlands

Brennerei: Daftmill

Alter: 11

Alkoholgehalt: 46,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Bourbon

Preis: ~150,00€ (UVP)

Flaschengröße: 700 ml

WID: 144359

Sonstiges: EU Summer Batch Release - 1780 Flaschen


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