Bunnahabhain 2004/2017 - Signatory Vintage - Local Dealer Selection

Heute nehme ich euch mal wieder mit auf die Insel. Und zwar nicht auf irgendeine, sondern auf DIE Insel Schottlands, zumindest wenn es um Whisky geht. Jeder der sich mit der Thematik etwas mehr beschäftigt wird nun wissen, dass es nach Islay geht. Und auch wenn ich nicht der große Fan von rauchigem Whisky bin, kommt heute einer meiner absoluten Lieblinge ins Glas. Wie das mit Islay zusammen passt, mag sich nun der ein oder andere fragen. Eigentlich ganz einfach: Es handelt sich um einen ungetorften Malt von Bunnahabhain. Somit mag es für viele kein "klassischer Islay Malt" sein, aber die Kombination aus Brennerei, Fassauswahl und sonstigen Abfüllungsdaten machen ihn für mich zu einem der besten fünf Whisky die ich jemals im Glas hatte.


Über den Whisky:

Dieser Whisky stammt aus einer ganz besonderen Abfüllungsreihe, der Local Dealer Selection von Signatory Vintage. Bei dieser durften verschiedene deutsche Händler bei der Auswahl der Fässer mitreden, welche anschließend exklusiv für die beteiligten Dealer abgefüllt wurden. Bei dieser Flasche hat man sich für einen Bunnahabhain entschieden, der am 14.04.2004 destilliert wurde. Anschließend durfte er bis zum 27.11.2017 in einem first fill Sherry Butt ruhen. Somit bringt es dieser Malt auf ein Alter von 13 Jahre. Wie oft bei Single Cask Abfüllungen wurde auch dieser Tropfen nicht gefärbt oder kaltfiltriert. Insgesamt reichte das Fass für 558 Flaschen, die es auf einen bemerkenswerten Alkoholgehalt von 61,5% bringen. Der Ausgabepreis dieser Flasche lag bei knapp 90€, erhältlich ist er heute jedoch nur noch auf dem Sekundärmarkt.


In der Nase:


Bereits mit der ersten Nase zeigt sich eine Vielfalt an dunklen Früchten. Eine Mischung aus Waldbeeren, Kirschen und Pflaumen macht sich breit. Darunter liegt eine leicht nussige Note. Der Einfluss vom Sherryfass ist deutlich spürbar. Hinzu kommt eine leichte Cremigkeit, die in Verbindung mit den davor genannten Nuancen an Schwarzwälder Kirschtorte erinnert. Im Hintergrund gesellt sich zu den dominanten süßen Aromen auch eine gewisse Schärfe. Diese zeigt sich als Mischung aus Pfeffer und einer leicht alkoholischen Schärfe. Mit etwas Zeit lassen sich auch weitere fruchtige Noten erkennen, es geht in Richtung Blutorange. Bei alle dem spielen auch die für Sherryfass typischen Röstaromen mit. Kaffee, dunkler Toffe und wieder geröstete Nüsse. Die für Bunnahabhain typischen maritimen Noten lassen sich nicht eindeutig ausmachen, höchstens mit der Brennerei im Hinterkopf lässt sich ein Anklang einer Meeresbriese finden. Insgesamt ist dieser Malt nicht all zu komplex, der Sherry ist schon sehr dominant vertreten. Mit dem Hinzufügen von Wasser öffnet sich der Whisky ein wenig. Er zeigt dann mehr Karamell und Trockenfrüchte (Feigen, Datteln und Rosinen).


Im Mund:

Hier bestätigt sich der Eindruck aus der Nase: Sherry, Sherry und noch mehr Sherry. Dazu kommt der Malt leicht nussig und etwas buttrig rüber. In der Süße lässt sich eine überreife und leicht zermatschte Banane finden. In erster Linie zeigen sich jedoch auch hier die dunklen roten Früchte: Schwarze Kirschen, ein Mix aus Heidel-, Him- und Brombeeren, dazu Pflaume. Dahinter liegt eine deutlich spürbare Würzigkeit, die einen starken Einfluss aus der Eiche zeigt. Das Mundgefühl ist mit der Zeit deutlich trocken werdend. Im Hintergrund ist auch hier der Saft aus helleren Früchten erkennbar, am besten zu vergleichen mit frisch gepressten, sehr reifen Saftorangen. Hintenraus kommt wieder die Dominanz von Röstaromen hervor. Diesmal ist der Kaffee jedoch noch intensiverer, eher Espresso, der sich mit einer sehr dunklen Schokolade mischt. Zusammengefasst trifft es auch hier die Schwarzwälder Kirschtorte wieder ziemlich gut. Die in der Nase nur peripher erkennbaren Salznoten zeigen sich im Mund etwas deutlicher. Durch das Hinzufügen von Wasser drängen Honig, Haselnüsse und Rosinen in den Vordergrund.


Abgang:


Der Abgang ist durchaus lang und etwas "dreckig". Die anfängliche Süße geht in eine bittere und sehr dunkle Schokolade über. Das Mundgefühl ist eindeutig stark trocken werdend und ein Anklang von Baumrinde bleibt im Mund zurück.


Abschließende Worte:


Das klassische "Sherrybrett" von Bunnahabhain. Dieser Whisky ist eindeutig nur etwas für Fans von sherrylastigem Whisky. Dunkle Früchte, Röstaromen und eine leichte Würzigkeit haben hier das Zepter in der Hand. Dennoch schafft dieser Whisky die Gradwanderung: Er hat "nur" einen starken Einfluss vom Sherryfass genommen, ohne dabei völlig überlagert zu wirken. Durch das Fehlen von Rauch ist es am Ende für viele kein "klassischer" Whisky von Islay, Fans von Bunnahabhain werden ihn dennoch als typischen Malt aus der nordwestlich gelegenen Islay-Brennerei betiteln. Somit ist diese Abfüllung auch bestens für Freunde von ungetroftem Malt geeignet, um einmal auf der Insel Islay vorbeizuschauen und einen leckeren Dram zu genießen.



Tim´s persönliches Fazit:


Dieser Whisky trifft genau meinen Nerv. Fassstark, aus dem first fill Sherry Butt und dann noch aus meiner Lieblingsdestillerie von Islay. Zunächst hatte ich mir nur ein Sample aus einer Flaschenteilung schicken lassen. Nachdem ich dieses verkostet hatte, dauerte es nicht lange und zwei ganze Flaschen haben den Weg zu mir gefunden. Ich trauere schon jetzt etwas dem Moment entgegen, in dem der letzte Tropfen die Flasche verlassen wird, denn dieser Whisky zählt für mich eindeutig zu den TOP 5 die ich jemals im Glas hatte. An dieser Stelle nochmal ein Gruß rüber zu Malte (und seinem Blog malte-talks-malts), der mir diese Abfüllung vor etwa drei Jahren durch seine Flaschenteilung nähergebracht hat. Ansonsten hätte ich diesen Whisky vermutlich niemals probiert.

Kategorie: Single Malt

Region: Islay

Brennerei: Bunnahabhain

Alter: 13 Jahre

Alkoholgehalt: 61,5%

Fasstärke: ja

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: 1st Fill Sherry

Preis: ~90,00€ (Ausgabepreis)

Flaschengröße: 700 ml

WID: 105058

Sonstiges: 558 Flaschen


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