Bowmore 18 - Deep & Complex - #TN12

Heute geht es für mich in gewisser Weise zurück zu den Anfängen meiner Leidenschaft für Whisky. Nachdem ich in Irland das "Wasser des Lebens" für mich entdeckt habe und zwei kleinere Tastings in der Heimat besucht hatte, folgte auch recht bald der erste Kauf von drei Flaschen Whisky (abgesehen von Jim, Jack, Johnny und ähnlichem). Eine der drei Flaschen war ein zwölfjähriger Bowmore, der mir ein wenig die rauchige Seite des schottischen Malts zeigen sollte, ohne mich gleich mit der vollen Ladung Asche zu erschlagen. Seitdem habe ich Bowmore in guter Erinnerung abgespeichert, jedoch keine weiteren Flaschen in mein Whiskyregal aufgenommen. Mit der Zeit habe ich eine Vorliebe für Tropfen aus dem Sherryfass entwickelt, und so war es nach meiner Entdeckung dieser Abfüllung eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser Whisky in meinem Glas (und Schrank) landet.


Über den Whisky:

Dieser von der Insel Islay stammende Malt wurde in der Destillerie Bowmore gebrannt und durfte für ganze achtzehn Jahre in den Fässern reifen. Hierfür wurde auf einen Fassmix gesetzt der zuvor Oloroso und Pedro Ximenez beheimatete. Zur einheitlichen Farbgebung wurde dem Malt Zuckerkulör beigefügt. Ebenso wurde der Whsiky kühlgefiltert bevor er mit 43% in die Flasche gefüllt wurde. Ursprünglich war diese Abfüllung exklusiv für den Travel Retail gedacht. Mittlerweile kann man die Flasche jedoch auch in den "normalen" Whiskyshops bekommen. Dafür muss man derzeit circa 75€ auf den Tisch legen und erhält eine Flasche in der wohl gängigsten Größe von 0,7L.


In der Nase:


Die erste Nase beruhigt mich und erfüllt meine Hoffnung: Ich habe auf einen eher milden und dezenten Rauch gehofft, da ich nicht der Fan von großen "Rauchbomben" bin. Die typisch Sherrynoten hingegen sind gleich präsent, wenn auch nicht sonderlich dominant. Ein Mix aus Trockenfrüchten macht sich im Glas breit. Viele noch recht frische

Rosinen wechseln sich mit einer Schokoladennote ab. Die Schokolade ist eher dunkel, ich würde sie als cremige Zartbitterschokolade betitelt. Dazu kommt ein Hauch von Karamell. Hintenraus übernimmt dann die Eiche das Zepter, hier kann man die 18 Jahre gut bemerken. Je länger ich die Nase im Glas habe, desto mehr kommen mir dunkle Früchte in den Sinn. Ein Mix aus verschiedenen Beeren und etwas Pflaume. Ebenso nehme ich eine leichte maritime Note wahr, eine Mischung aus leichter Salzigkeit und anderen Mineralien. Bei alle dem merkt man natürlich einen leichten Rauch. Ich würde es jedoch als milden Torf beschreiben der sehr gut eingebunden - fast ein wenig versteckt - ist. Insgesamt gefällt mir die Nase sehr gut und der Name des Malts ist Programm: Deep & Complex.


Im Mund:

Der erste Schluck wirkt schön ölig auf der Zunge. Dunkle Früchte machen sich breit und nehmen den Gaumen ein. Auch hier geht es in Richtung sehr reifer Beeren, die Pflaume liegt eher in Form von Mus vor. Ebenso lassen sich viele verschiedene Trockenfrüchte feststellen, ein wenig Feige und sehr viel Rosine. An den fruchtigen Einstieg schließen sich diverse Röstaromen an. Wieder gehen meine Assoziationen zu cremiger Zartbitterschokolade und ein Hauch von Kaffee macht sich bemerkbar. Dieser erinnert mich an einen heißen, gerade frisch aufgebrühten Espresso. Im Hintergrund ist etwas Leder zu erkennen und eine Art hölzerner Saft belegt die Zunge. All diese Aromen gehen abschließend in einen bunten Gewürzmix über. Um diesen genauer beschreiben zu können brauche ich noch einen zweiten und dritten Schluck. Es geht ein wenig in die orientalische Richtung, aber auch ein Hauch von Pfeffer ist präsent. Bei alle dem sollten wir den Rauch natürlich nicht vergessen: Dieser ist die komplette Zeit über im Mund vorhanden. Jedoch begleitet er die vielen, schönen anderen Aromen eher als sie zu erschlagen. Der Torf wirkt insgesamt schön tief und gut gesetzt. Mir gefällt er trotz meiner leichten Rauchabneigung sehr gut.


Abgang:


Der Abgang ist bei dieser Abfüllung eindeutig lang. Und hier versucht sich erstmals der Rauch in den Vordergrund zu drängen. Diesen Kampf tritt er gegen komplexe, dunkle Sherrynoten in Form von reifen Johannisbeeren und anderen vollreifen Früchten an. Begleitet wird das Ganze von einer leichten, salzigen Nussigkeit. Eine spannende und wirklich schöne Kombination.


Abschließende Worte:


Alles in allem können wir hier von einem sehr gelungenem Malt sprechen und von einen typischen Bowmore. Damit meine ich, dass wir einen spürbar getorften Whisky im Glas haben, der aber deutlich milder und dezenter daherkommt als andere Tropfen von der Insel Islay, beispielsweise von Lagavulin oder Ardbeg. Und auch den Namen hätte man für diese Abfüllung kaum treffender wählen können: Deep & Komplex. Sowohl die Nase als auch der Geschmack sind beides. Der Rauch hat eine schöne, dezente Tiefe, und die verschiedenen Sherrynoten verleihen dem Whisky im Zusammenspiel mit vielen anderen Nuancen eine herrliche Komplexität. Das alles lässt sich eigentlich nur noch durch das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis toppen: Welchen anderen volljährigen Islay Malt bekommt man schon für etwas über 70€?!


Tim´s persönliches Fazit:


Dieser Dram gefiel mir außerordentlich gut. Dennoch hat er zwei grundlegende Dinge bei mir nicht geändert: Zum einen werde ich nicht der riesen Fan von stark rauchigem Whisky (über leichten Torf lasse ich mittlerweile mit mir reden). Zum anderen behalte ich Bowmore in guter Erinnerung. Oft schüttelt es mich ja eher wenn ich mal wieder mit einem Kumpel in einer guten Bar sitze und dieser einen Whisky von Islay vorschlägt. Wenn dabei jedoch der Name Bunnahabhain oder Bowmore fällt, verstummen meine Widerworte ganz schnell. Und langsam bekomme ich tatsächlich etwas Angst: Wo man mich vor zwei Jahren noch mit dem kleinsten Anflug von Rauch jagen konnte, greife ich mittlerweile ganz gerne zu. Wo befinde ich mich dann nur in weiteren zwei oder drei Jahren?! Ich werde es sehen und sicherlich davon berichten.

Kategorie: Single Malt

Region: Islay

Brennerei: Bowmore

Alter: 18

Alkoholgehalt: 43,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: ja

Kühlgefiltert: ja

Fasstyp: Oloroso- and PX-Sherry

Preis: ~70,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 94218

Sonstiges: Travel Retail Exclusive


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