Ardmore 12 Jahre - Port Wood Finish - #TN24

Für die heutigen Tasting Notes habe ich mir, anders als sonst, ein klares Ziel gesetzt. Meistens werden an dieser Stelle Flaschen verkostet, die neu oder außergewöhnlich sind. Wie gut der Inhalt am Ende ist, weiß auch ich oft erst nachdem ich meine Notes hier verfasst habe. Heute nicht! Mir ist bereits jetzt bewusst, dass ich den Inhalt dieser Flasche toll finde. Der Grund warum ich ihn hier nun vorstelle, obwohl er bereits seit langer Zeit am Markt erhältlich ist, ist recht einfach: Ich möchte für gewisse Standardabfüllungen eine Lanze brechen! Überall wird nur noch nach dem Besonderen gesucht, dabei kann das "Normale" doch so schön sein. Um dies aufzuzeigen habe ich zu einem meiner "Daily-Drams" gegriffen und werde euch diesen im Folgenden näher bringen. Und eventuell versucht ihr es im Anschluss ja auch mal wieder mit der ein oder anderen Standardabfüllung.


Über den Whisky:

Wie angekündigt geht es heute um einen "einfachen" Standard Malt. Dieser Whisky reifte für insgesamt 12 Jahre im Fass. Die längste Zeit davon in ehemaligen Bourbonfässern, bevor er für ein Finish in ein Portweinfass zog. Abgefüllt wird die Flasche mit einer angenehmen Trinkstärke von 46%. Ein weiter Vorteil dieser Alkoholstärke ist, dass man auf die Kühlfilterung verzichten konnte und der Malt sich dennoch nicht trübt. Bei der Farbe hingegen wurde nachgeholfen und Zuckercouleur verwendet. Das für diesen Whisky verwendete Malz hat 12 ppm und ist somit leicht rauchig. Erhältlich ist die Flasche durchgehend zu einem Preis der bei rund 50€ liegt.


In der Nase:


Die Nase ist leicht süß und ganz klar fruchtig. Es zeigt sich eine schöne Kombination verschiedener Sommerfrüchte. Insbesondere Erdbeeren dringen in den Vordergrund. Dazu gesellt sich eine feine Orangennote. Im Hintergrund liegt eine schöne Würze. Diese setzt sich aus etwas Zimt, einem Hauch von Pfeffer und den klassischen Eichennoten zusammen. Mit etwas mehr Zeit zeigen sich die Portwein Nuancen stärker. Rote Beeren und getrocknete Früchte, sowas wie Rosinen und Datteln, machen sich breit. Der Rauch lässt sich durchgehend in der Nase wahrnehmen, bleibt dabei jedoch dezent im Hintergrund und drängt sich nicht zu sehr auf. Dies verleiht der Nase eine schöne Tiefe.


Im Mund:

Wie bereits in der Nase zeigt auch der erste Schluck ein Zusammenspiel aus vielen Früchten. Insbesondere Erdbeeren machen sich im Mund breit. Diese wirken jedoch nicht so frisch wie in der Nase, es geht eher in Richtung Marmelade. Dazu kommt eine feine Note von Äpfeln und ein Hauch Orange. Neben der Fruchtigkeit bietet dieser Malt eine tiefe Würze. Bereits mit dem ersten Schluck lässt sich klar die Eiche vernehmen, welche sich mit einer schönen Mischung aus Gewürzen paart. Das Finish im Portweinfass bringt zudem eine Süße, welche durchgehend wahrnehmbar ist. Diese zeigt sich in Form von getrockneten Rosinen, Datteln und Beeren. Der Rauch ist vorhanden, aber dezent. Mit dem zweiten Schluck wird die rauchige Note etwas stärker. Dabei bleibt sie jedoch so sehr im Hintergrund, dass sie den Malt nicht überlagert, sondern nur etwas mehr Tiefe verleiht. Insgesamt ist das Zusammenspiel aus Süße, Frucht, Würze und Rauch sehr harmonisch. Aus allen Richtungen lassen sich Nuancen erkennen und machen diesen Malt zu einem wunderbaren Erlebnis.


Abgang:


Der Abgang ist mittellang und startet mit einer süßen Fruchtigkeit. Wieder spielen Rosinen eine Rolle. Diese mischen sich mit leichten Röstaromen. Mit etwas Zeit verblassen alle bisher genannten Komponenten und die Eiche bleibt trocken werdend zusammen mit etwas Rauch am Gaumen zurück.


Abschließende Worte:


Dieser Whisky hat von allem etwas und schafft es, die verschiedenen Komponenten nahezu perfekt miteinander zu vereinen. Etwas Süße, ein bisschen Frucht, dezenter Rauch und delikate Würze, alles vereint in einer Flasche. Und das Beste: Es ist ein Whisky aus der Standardrange einer eher wenig beachteten Destillerie. Somit ist die Flasche eigentlich immer auf dem Markt zu finden und auch die Preise sollten sich im Rahmen halten. Wenn man das Potenzial betrachtet, welches in dieser Abfüllung steckt, dann schlummern bei Ardmore bestimmt noch einige weitere tolle Malts in den Lagerhäusern. Bleibt zu hoffen, dass man es in Zukunft vielleicht nochmal mit der ein oder anderen Originalabfüllung versucht, und nicht alles der Blend-Industrie überlässt.


Tim´s persönliches Fazit:


Diese Abfüllung zeigt mal wieder, dass es nicht immer besondere oder limitierte Abfüllungen sein müssen. Auch der ein oder andere Standard weiß durchaus zu überzeugen. Anders als bei anderen Abfüllungen auf meinem Blog kannte ich diese bereits vorher und habe sie nicht erst für den Blog verkostet. Mein Anliegen war es eine Flasche zu zeigen, die vermutlich schon viele im Regal haben stehen sehen, aber sie auch dort haben stehen lassen. Eine Brennerei die wenig beachtet wird, ein Standard, den man immer bekommt und ein Preis von 50€. Alles Kriterien, die für viele wohl den Ausschlag geben eher einen anderen Malt zu kaufen. Ich wage jedoch die Theorie aufzustellen, dass der gleiche Inhalt bei einer limitierten Edition mehr Anklang finden würde. Ein 12 Jahre alter Whisky mit Port Finish für knapp 50€, da lässt sich eigentlich nichts Negatives finden. Und lassen wir doch all diese Rahmenparameter mal außen vor. Am Ende muss ein Malt schmecken, und das tut dieser hier zweifellos!

Kategorie: Single Malt

Region: Speyside

Brennerei: Ardmore

Alter: 12 Jahre

Alkoholgehalt: 46,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: ja

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Port Wood Finish

Preis: ~50,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 117308

Sonstiges: k.A.


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