AnCnoc 24 - Knockdhu #TN26

In den heutigen Tasting Notes geht es um einen eher unbekannten Malt aus der Speyside, bei dem man schnell die Herkunft verwechseln kann. Dieser Tropfen stammt aus der Destillerie Knockdhu und nicht von der Brennerei Knockando. Genau um diese Verwechslungsgefahr zu umgehen, hat man sich bei Knockdhu vor knapp 30 Jahren dazu entschieden den Malt unter dem Namen AnCnoc zu vermarkten, was zu Deutsch so viel bedeutet wie "der Hügel". Viel Werbung und Marketing kommt einem in Deutschland für diesen Whisky nicht unter. Daher gibt es bisher auch keinen Hype um diese Destillerie und auch die Preise bewegen sich in einem sehr annehmbaren Bereich. Wenn der Inhalt jetzt noch gut schmeckt, kann es für uns Whiskyfans nur von Vorteil sein. Ob dies der Fall ist, finden wir nun im Folgenden heraus.


Über den Whisky:

Dieser Malt durfte für sage und schreibe 24 Jahre in den Lagerhäusern der Knockdhu Brennerei ruhen. In welchen Fässern genau ist nicht angegeben, es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sowohl ehemalige Bourbonfässer als auch Sherryfässer ihren Einfluss nehmen durften. Als der Whisky nach knapp einem viertel Jahrhundert in die Flasche gefüllt wurde, wurde seitens der Destillerie sowohl auf das Kühlfiltern als auch auf den Zusatz von Zuckercouleur verzichtet. Die Farbe des Malts ist dennoch tiefer, alter Bernstein. Die Fassstärke durfte der Whisky jedoch nicht behalten. Er kommt mit einer angenehmen Trinkstärke von 46% in die Flasche. Trotz des hohen Alters gehört diese Flasche zum Standardsortiment der Brennerei. Mit ca. 130€ ist er dem Alter entsprechend angemessen bepreist.


In der Nase:


Bereits beim Eingießen steigt einem ein volles und tiefes Aromenbild in die Nase. Auf den ersten Eindruck ist dies aber überwiegend frisch und leicht, insbesondere wenn man das hohe Alter betrachtet. Es lässt sich zwar eine leichte Würze wahrnehmen, diese überlagert den Whisky jedoch nicht. Viel mehr drängt ein Mix von roten Früchten und eine frische Zitrusnote in den Vordergrund. Letztere erinnert an frisch geriebene Zitronenzesten. Trotz dieser frischen Eindrücke handelt es sich bei diesem Malt jedoch eher um eine süße Angelegenheit. Neben leichtem Karamell steigt eine wunderbare, sehr deutlich wahrzunehmende Vanille in die Nase. Zusätzlich zeigen sich Anklänge, die an frisches Gras und eine leichte Blumigkeit erinnern. Erst im Hintergrund zeigt sich eine tiefe Eichenwürze. Diese verleiht dem Malt eine gute Basis und macht ihn ausgewogen und rund. Ganz zum Schluss kommt dann auch noch ein weihnachtlicher Gedanke auf: Irgendeine Nuance in der Nase erinnert an Zimt.


Im Mund:

Bereits der erste Schluck nimmt den gesamten Mund so sehr in Beschlag, wie es nur ein alter, gut gereifter Whisky kann. Der Speichelfluss wird stark angeregt und man möchte das Glas am liebsten erst gar nicht wegstellen. Die Wangen werden mit einer dicken Schicht Karamell belegt und auf der Zunge zeigen sich Trockenfrüchte, in erster Linie Rosinen. Auch die bereits in der Nase sehr präsente Zitrusnote ist wieder am Start, zeigt sich im Mund jedoch eher als Orange. Diese zeigt gar einen leicht bitteren Ansatz, sodass die Assoziation zu der klassischen, englischen Orangenmarmelade naheliegt. Insgesamt ist es erwähnenswert, dass trotz des hohen Alters die Fruchtigkeit kräftig ausgeprägt ist. Dahinter zeigen sich dann Anklänge von würzigem Honig, die in eine Mischung aus Tanninen und kräftiger Eiche übergehen. Hintenraus wird es leicht schokoladig, selbstverständlich Bitterschokolade mit hohen Kakaoanteil. Alles in allem wirkt der Malt sehr gesetzt und unaufgeregt, die Übergänge der einzelnen Nuancen sind glatt und fließend. Mit jedem weiteren Schluck lassen sich neue und weitere Seiten dieses schönen Whiskys entdecken. Irgendetwas erinnert hintenraus an einen recht milden Ingwertee.


Abgang:


Im Abgang bleibt eine Mischung aus karamellisierten Früchten und frisch eingekochter Marmelade zurück. Am Gaumen verweilt für lange Zeit eine deutliche Würze, welche nur von der Eiche stammen kann. Anklänge von bitterer Schokolade und frischem Espresso kommen auf. Und auch hier ist er wieder: der Ingwer. Insgesamt ein langer und ausgewogener Abgang, der diesen Whisky perfekt abrundet.


Abschließende Worte:


Ein Malt bei dem es nichts auszusetzen gibt. Die reinen Daten sprechen schon für sich: nicht kaltfiltriert, natürlicher, tiefer Bernstein in der Farbe und ganze 24 Jahre im Fass. Das alles gibt es in einer elegant und schlicht wirkenden Aufmachung zu einem fairen Preis. Auf dem Markt wird man kaum eine andere Originalabfüllung mit ähnlichen Daten zu einem so guten Kurs finden. Und auch der Inhalt hat unter der fairen Bepreisung nicht gelitten. Eine schöne Komposition aus verschiedenen Aromen. Kein eindimensionaler Whisky bei dem ausschließlich das alte Holz seine Spuren hinterlassen hat. Insgesamt eine klare Empfehlung für jeden Genießer, der sich mal eine etwas bessere Flasche gönnen möchte, ohne dabei all zu tief in die Tasche greifen zu müssen.


Tim´s persönliches Fazit:


"Man gönnt sich ja sonst nichts!" - so in etwa war mein Gedankengang, als ich mir diese Flasche zulegt habe. Und ich muss gestehen: Es war ein völliger Blindkauf. Zwar hatte ich den AnCnoc 12 bereits einmal im Glas, aber ernsthaft zu vergleichen ist er mit diesem doppelt so alten Tropfen nicht. Normalerweise informiere ich mich vor dem Kauf solcher Flaschen gerne ein wenig, oder greife zumindest zu Destillerien, die auf meiner Liste ganz weit oben stehen. Das war hier nicht der Fall, dennoch bereue ich es kein bisschen. Ein Malt der so eine Tiefe bietet, nach dieser langen Zeit im Fass noch so viel Frucht zeigt und nicht von einer Holzigkeit überschattet wird, ist mir selten untergekommen. Wenn mich jemand nach einem hervorragenden, recht alten Whisky fragen würde und dabei keinen besonderen Wert auf den Namen der Brennerei legt, würde dieser Malt auf jeden Fall in den TOP 3 meiner Empfehlungen landen. Und auch auf meiner kleinen Liste mit Dingen, die bei der nächsten Schottlandreise gesetzt sind, hat sich Knockdhu einen Platz gesichert. Ich bin gespannt was dieses kleine ungeschliffene Juwel in der Speyside noch alles zu bieten hat.

Kategorie: Single Malt

Region: Speyside

Brennerei: Knockdhu

Alter: 24 Jahre

Alkoholgehalt: 46,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: nein

Kühlgefiltert: nein

Fasstyp: Ex-Bourbon und Sherry

Preis: ~130,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 66989

Sonstiges: k.A.


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