Aberfeldy 18 Jahre - French Red Wine Cask Finish - #TN23

Heute habe ich einen Malt aus einer wahren Schönheit im Glas. Die Brennerei Aberfeldy liegt nahe dem Fluss Pitilli Burn - aus diesem stammt auch das Wasser für die Produktion - und ist für jeden Schottlandreisenden einen Besuch wert. Neben den Abfüllungen unter eigenen Namen ist Aberfeldy auch Hauptbestandteil des Blended Whisky Dewar's, welcher zu den meistverkauften in den USA gehört. Dementsprechend ist auf dem Gelände der Destillerie auch das Dewar's World of Whisky entstanden. Ein Museum, welches dem Besucher den Whisky mit allen Sinnen näherbringt. Neben den üblichen Informationen hat man hier auch die Möglichkeit viele besondere Tasting durchzuführen und auch Rundgänge mit einer Verkostung direkt aus dem Fass werden angeboten. Ob bei all der Liebe und Zuwendung für den Blended Malt Dewar's auch noch genug Energie und Einfallsreichtum in den Single Malt Aberfeldy fließt, schaue ich mir heute mal anhand dieses neuen 18 Jahre alten Malts an.


Über den Whisky:

Bei diesen Aberfeldy handelt es sich um einen Malt, der für 18 Jahre in ehemaligen Bourbonfässern reifen durfte. Anschließend erhielt er ein vier bis fünfmonatiges (die Angaben variieren hier je nach Quelle) Finish in ehemaligen Pauillac Bordeaux Fässern. Dieser Wein ist eher als kräftig und robust bekannt, soll jedoch auch weiche und zarte Anklänge zeigen. Abgefüllt wurde der Whisky bei einer Alkoholstärke von 43%. Aufgrund der recht geringen Trinkstärke gehe ich davon aus, dass dieser Malt kühlgefiltert wurde, um eine Trübung zu verhindern. Außerdem hat man bei der Farbe mit Zuckercouleur nachgeholfen. Veröffentlich wurde diese Abfüllung als limitierte Edition, dementsprechend wird es ihn nur für überschaubare Zeit auf dem Markt geben.


In der Nase:


Trotz des Finishs im Weinfass hat der Aberfeldy seinen Brennercharakter nicht verloren. Honig dominiert wie bei fast jedem Malt aus dieser Brennerei auch hier die erste Nase. Dazu kommt jede Menge Vanille, welche ihren Weg durch die lange Zeit im Bourbonfass in den Malt gefunden hat. Insgesamt ist dieser Dram sehr cremig und mild im ersten Eindruck. Eine leichte säuerliche Kirsche spielt im Hintergrund mit, es könnte gar in Richtung Cranberrys oder Granatapfelkerne gehen. Mit etwas Zeit zeigen sich immer mehr Früchte in dem Malt. Von Aprikose über verschiedene Beeren, am ehesten kommt es einer schwarzen Johannisbeere gleich, ist alles dabei. Hintenraus zeigt sich zudem eine dezente malzige Note. Insgesamt ist die Nase super harmonisch und zeigt nur wenig typische Weinaromen. Hier merkt man, dass es sich insgesamt um ein recht kurzes Finish handelt.


Im Mund:

WOW! Der erste Schluck ist überraschend. Für die doch recht geringe Alkoholstärke ist der Antritt von diesem Malt sehr kräftig. Anfangs schön süffig, gar ein bisschen saftig, kommt dieser Dram daher. Aus frischem Orangensaft wird schnell eine etwas herbere und leicht bittere Orange, die nun eher an die Zesten von Zitrusfrüchten erinnert. Im Hintergrund zeigt sich eine leichte nussige Note. Diese lässt sich am besten als Walnuss beschreiben, welche zuvor ein wenig karamellisiert wurde. Insgesamt geht die anfängliche Süße und Fruchtigkeit schnell in eine derbe Würze über. Hier zeigt sich eindeutig das alte Holz und auch das Finish im Weinfass. Leichte Assoziationen zu Kaffee oder gar Espresso kommen auf. Der zweite Schluck verleiht diesem Malt nochmals mehr Schub. So startet er nicht mehr so weich und zeigt sich direkt von seiner würzigen Seite. Dieses Mal sind deutlich mehr Sultaninen im Spiel als noch beim Schluck zuvor. Alles in Allem hat das Finish deutlich mehr Einfluss auf den Geschmack als auf die Nase genommen.


Abgang:


Der Abgang ist eindeutig lang und eher kräftig. Eine bunte Mischung aus getrockneten Früchten bleibt zusammen mit einem Potpourri an Nüssen zurück. Am Gaumen eindeutige Anklänge von Eiche und Zartbitterschokolade. Auch hier spielt die Assoziation zu Kaffee oder Mokka wieder eine Rolle.


Abschließende Worte:


Wer Aberfeldy mag, wird auch diesen Whisky lieben, denn er zeigt deutlich seinen typischen Brennereicharakter. Wer jedoch tiefe und kräftige Weinnoten möchte, wird hier etwas fragend ins Glas schauen. Das Finish ist lediglich ein Nebendarsteller, die Hauptrollen gehen klar an die Bouronfässer und den Stil der Brennerei. Zwar wurde hier ein sehr runder und harmonischer Malt kreiert, der jedoch nicht sonderlich spannend ist oder seinen mit einer umwerfenden Tiefe umhaut.


Tim´s persönliches Fazit:


Selten habe ich so viel nachgedacht und mich gleichzeitig innerlich geärgert während einer Verkostung. Die Malts von Aberfeldy haben immer wieder schöne Ansätze und die typische Honignote gefällt mir in der Regel sehr. Insgesamt verschenkt man bei dieser Brennerei aber einfach viel zu viel Potenzial! Wie gut wäre ein solcher Whisky mit einer Alkoholstärke von mehr als 43%?! Und auch Farbstoff tut bei einer limitierten Edition nicht Not. Bei Standards wird oft vom Erreichen einer einheitlichen Färbung gesprochen, wenn ein Whisky jedoch einmalig abgefüllt wird ist dies in meinem Augen überflüssig. Insgesamt kann ich nicht sagen, dass mir dieser 18 Jahre alte Malt nicht geschmeckt hat, allerdings gibt es deutlich bessere und diese auch im gleichen Preissegment. Und selbst den Freunde von Aberfeldy würde ich zum 15 Jahre alten Pomerol Finish raten, welches vor etwa einem Jahr erschien. Dieser ist aktuell noch erhältlich, in etwa 40€ preiswerter und mindestens genauso gut.

Kategorie: Single Malt

Region: Highlands

Brennerei: Aberfeldy

Alter: 18 Jahre

Alkoholgehalt: 43,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: ja

Kühlgefiltert: ja

Fasstyp: Finish in French Red Wine Casks

Preis: ~95,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 164376

Sonstiges: Batch 2920


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