Aberfeldy 15 Jahre Pomerol Finish - #TN9

Heute landet bei mir ein Whisky im Glas, den ich persönlich nicht wirklich im Fokus hatte. Zwar ist die Ankündigung dieser Flasche im Jahr 2019 auch an mir nicht vorbeigegangen, jedoch hat sie nicht direkt mein Kaufinteresse geweckt. Anders sah es dann wenige Monate später aus, als ich meinen Local Dealer besuchte. Eigentlich wollte ich nur eine vorher reservierte Flasche abholen (ich glaube es war ein Daftmill), aber wie es bei einem guten Händler vor Ort ist: Ohne den ein oder andere anderen Dram zu probieren verlässt keiner den Laden. Und so stand auch ich plötzlich mit einem Glas dieses Aberfeldy in der Hand dar. Ich war absolut überrascht: Der Malt war etwas Besonderes, hat sich aus der Masse hervorgehoben und mich absolut überzeugt. Demnach habe ich den Laden auch mit einer Flasche mehr verlassen, als im Voraus geplant war. Mit der Brennerei Aberfeldy hatte ich außerhalb dieser Abfüllung noch nicht viel zu tun. Den 12-Jährigen und 16-jährigen Standard habe ich immer als "Einen von Vielen" angesehen, der 21-jährige hingegen reizte mich schon ein wenig. Für einen Blindkauf war er mir bisher jedoch immer zu teuer. Nachdem ich nun diese Limited Edition probiert habe muss ich gestehen, nun doch ein Auge auf den einen oder anderen Malt auf dieser Destillerie geworfen zu haben. Nun aber erstmal zu diesem Tropfen mit Weinfasseinfluss.


Über den Whisky:

Dieser Aberfeldy wurde zunächst in wiederaufbereiteten und wiederverwendeten ehemaligen Bourbonfässern gelagert. Anschließend ist der Malt umgezogen und erhielt für vier bis fünf Monate ein Finish in ehemaligen Weinfässern. Diese Weinfässer stammen aus dem Weinbaugebiet Pomerol, welches wiederum im Anbaugebiet Bordeaux liegt. Der Charakter des dort produzierten Weins soll dem sehr milden Whisky von Aberfeldy Noten von Steinobst und dunklen Beeren verleihen. Insgesamt durfte der Malt ganze 15 Jahre im Fass verbringen, ehe er mit einem Alkoholgehalt von 43% in die Flasche kam. Neben der Kaltfiltrierung wurde dem Whisky auch farblich nachgeholfen. Außerdem zu erwähnen ist, dass es sich hier um eine limitierte Abfüllung handelt, und nicht um einen neuen Standard. Derzeit ist der Malt aber noch ohne Probleme in verschiedensten Shops erhältlich und auch der Preis (~60€) hat sich seit der Veröffentlichung noch nicht verändert.


In der Nase:


Die Nase wirkt anfangs sehr frisch und leicht, dennoch ist eine deutliche Honignote zu erkennen. Diese ist aber angenehm weich, geht eher in Richtung Lindenhonig oder Lindenblütenhonig. Dieser ist längst nicht so intensiv und würzig wie der sehr verbreitete Waldhonig. Zusätzlich machen sich Äpfel in der Nase breit, tiefrot und reif wie man sie im späteren Herbst finden kann. Außerdem kommen weitere Fruchtnoten zum Vorschein, diese gehen in Richtung Kirsche, Orange und ein wenig (getrocknete) Aprikose. Hintenraus werden die Nuancen etwas schwerer. Ein wenig weiche Eiche und ein Hauch von Zimt lässt sich wahrnehmen. Eins kann man festhalten: Die vom Wein (insbesondere Pomerol) bekannten, recht schweren Facetten sind nur im Ansatz im Malt wiederzufinden und überlagern den weichen Brennereicharakter von Aberfeldy nicht.


Im Mund:

Ein Whisky bei dem der Mund fast genau das widerspiegelt, was die Nase bereits wahrgenommen hat. Er beginnt weich mit einer vollen Süße. Und auch die roten Äpfel sind wieder präsent. In Verbindung mit der Süße geht es in Richtung Karamell, sprich ein schöner kandierter Apfel, wie wir ihn wohl alle von der Kirmes oder einem Straßenfest kennen und lieben gelernt haben. Beim zweiten Schluck nehme ich die Süße eher wieder als Honig wahr, dieser ist aber würziger und kräftiger als noch in der Nase. Ein bisschen Schokolade und der Anklang von Würze lässt sich erkennen. Hintenraus kommt wieder eine leichte Holzigkeit, die Eiche hat also durchaus ihre Spuren hinterlassen. Auch wenn hier ausdrücklich refilled Bourbonfässer zum Einsatz gekommen sind, so waren diese dennoch aktiv und haben dem Malt einen schönen Charakter verliehen.


Abgang:


Der Abgang ist insgesamt mittellang, wird jedoch mit jedem Schluck etwas länger. Insgesamt wird er von Trockenheit dominiert, die jedoch nicht unangenehm ist. Außerdem bleibt eine ausgiebige Würze zurück. Am Gaumen erklingt Kakao, etwas Espressopulver und Muskat. Wow! Diese Würzigkeit kommt bei der milden Nase und dem leichten Geschmack fast etwas unerwartet.


Abschließende Worte:


Wer nur auf die Daten zu diesem Whisky schaut, vermutet wohl einen deutlich schweren Whisky, den man lieber in den kälteren Monaten genießt. Den leichten und weichen Brennercharakter überdecken aber auch die Pomerolfässer nicht, so dass das Endergebnis immer noch ein schöner milder Whisky ist, der um einige kleine Facetten ergänzt wurde. Zu gefallen weiß er dabei auch in wärmeren Sommermonaten. Bei alle dem zeigt dieser Whisky mal wieder sehr schön, wie wichtig der Charakter einer Destillerie sein kann und dass Fässer alleine nicht immer alles sind. Alles in allem ein toller Malt, der dank seinem ordentlichen Alter und den recht seltenen französischen Weinfässer seinen Preis durchaus gerechtfertigt. So lange man die Flasche noch problemlos erwerben kann, sollte man sich ernsthaft Gedanken über eine Anschaffung machen.


Tim´s persönliches Fazit:


Neben diesem tollen Dram hat mir die Flasche auch mal wieder einen schönen Local Dealer Moment beschert. Eine Abfüllung von der ich gehört hatte, die mich aber nicht direkt begeisterte, brachte mir mein Dealer in einem netten Gespräch näher. Und genau dies sind die Momente, wo eine Flasche doch auch mal 5/10€ teurer sein darf. Im Gegenzug muss ich aber auch sagen, dass wenn ich eine Flasche unbedingt haben möchte, dann wird sie online da bestellt, wo der Preis passt! Denn wozu soll ich ohne "Mehrleistung" einen höheren Preis bezahlen?! Aber dies ist und bleibt wohl ein leidiges Thema, mit dem man sich so oder so eher unbeliebt macht. Ich bin der Meinung, dass sehr wohl beides parallel existieren kann und sollte, denn beide Wege der Beschaffung haben ihre Vorzüge. Und um nochmal auf den Malt zurückzukommen: Er schmeckt mir so gut, das sich in Kürze noch eine zweite Flasche davon in mein Regal verlaufen wird!

Kategorie: Single Malt

Region: Highlands

Brennerei: Aberfeldy

Alter: 15 Jahre

Alkoholgehalt: 43,0%

Fasstärke: nein

Gefärbt: ja

Kühlgefiltert: ja

Fasstyp: Finish in Pomerol (Red Wine) Casks

Preis: ~60,00€

Flaschengröße: 700 ml

WID: 142161

Sonstiges: k.A.


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